Das TAO -
die visionär erfasste Universal-Kosmische Ordnung (UCO)

Das altchinesische Tao (in seinem kosmologischen Aspekt) und die UCO des Quadrialistischen Modells der Wirklichkeit werden als einander entsprechend angesehen. Da treten zwei Fragen auf:

1. Was berechtigt zu dieser Entsprechung?
2. Welche Bedeutung hat sie, sollte sie sich als berechtigt erweisen?

Die Antwort auf die zweite Frage sei als erste gegeben, weil sie motiviert, sich die Antwort auf die erste Frage genau anzuhören. Die UCO wurde als eine von allen anderen "Welten" unterscheidbare Welt auf Grund hochabstrakten wissenschaftlichen Denkens gewonnen; sämtliche detaillierten Aussagen über sie und ihre Beziehungen zu den anderen Welten sind auf gleiche Weise herleitbar. Das Tao dagegen entspringt nicht einer systematischen Lehre; es kann nicht - so heißt es - durch Denken erfasst werden. Es ist kein Begriff, sondern unmittelbares Erleben, "ein Urphänomen im höchsten Sinne...Das Erleben des Tao... kann...nie Gegenstand der wissenschaftlichen Erforschung werden" und so "müssen wir auf mystische Erlebnisse zurückgehen, um zum Verständnis zu gelangen" (Wi37). So "kommt das Verstehen des Tao einer inneren Erfahrung gleich, die über einen spontanen, intuitiven Bewußtseinsprozess verläuft und nicht in der Abfolge eines intellektuellen und deduktiven Prozesses" (Ki92). Nun, diese Vorhersagen haben sich nach über 2.500 Jahren als irrig erwiesen; denn mit dem Quadrialistischen Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit (AWM) steht nun eine Theorie zur Verfügung, die jene durch nicht-rationale Prozesse gewonnenen Einsichten nunmehr durch rationale Prozesse erreicht.

Sollten sich die Aussagen über das Tao mit denen des Quadrialistischen Weltmodells über die UCO tatsächlich decken, so würde dies zweierlei bedeuten: Die unwissenschaftlichen Aussagen des Lao-tse (ca. 600 v. Chr) auf Grund unmittelbaren visionären Erfassens der Grundstruktur der Wirklichkeit würden durch das wissenschaftliche Acht-Welten-Modell (2004 n. Chr.) bestätigt. Das heißt: die Aussagen des Quadrialistischen Acht-Welten-Modells der Wirklichkeit" (AWM) über die UCO sind die wissenschaftliche Formulierung dessen, was Lao-tse bereits vor 2 1/2 Jahrtausenden intuitiv erfasst hatte. Andererseits präsentiert sich die Quadrialistische Theorie des "Alles was ist" als eine Theorie, die nicht als "irgendeine" angesehen werden kann, zu der viele andere gleichwertige erdacht werden können, sondern als "die eine" Theorie, die u.a. das kosmologische "Wissen" des Lao-tse beschreibt. Und wenn man andere esoterische und religiöse Gedankensysteme betrachtet, darf man annehmen, dass die Quadrialistische Theorie Gemeinsamkeiten der Ideen auch anderer "Erleuchteter" mit umfasst. Es ist schon interessant, wie Cooper "Taoismus" definiert: als "Kosmische Religion. Sein Inhalt ist das Studium des Universums, der Stellung und Funktion des Menschen und aller Kreaturen und Phänomene darin" (Co8). Dies ist auch der Inhalt des Quadrialistischen Weltbilds, nur handelt es sich bei ihm nicht um religiöse, sondern um wissenschaftliche "Kosmologie". Lao-tse und seine evt. Vorgänger wie Nachfolger kannten noch nicht die wissenschaftlichen Methoden, mit denen man die Struktur der Wirklichkeit erfassen kann; die Heutigen kennen sie (prinzipiell), haben dafür aber eine nur eingeschränkte Fähigkeit der unmittelbaren Schau. So könnte das Quadrialistische Weltbild Mittler sein zwischen westlichen und östlichen Philosophien, zwischen Wissenschaft und Religion (sowie Esoterik) und auch zwischen den Grund-Glaubensinhalten der verschiedenen (Hoch-)Religionen. Jedenfalls ist die Gleichheit der visionär gewonnenen mit den rational gewonnenen Wirklichkeitsstrukturen auffallend, wie ein Vergleich von altchinesischem TAO (in diesem Artikel), altindischem BRAHMAN und christlicher GOTTHEIT des Meister Eckhart mit der UNIVERSAL-KOSMISCHEN ORDNUNG des Acht-Welten Modells der Wirklichkeit zeigt (KH, Teil 3, S.1-36).

Zur Beantwortung der ersten Frage werden im Folgenden den im AWM abgeleiteten Aussagen über die Universal- Kosmische Ordnung (UCO) einigen wesentlichen aus der Literatur zitierten Aussagen über das Tao gegenübergestellt. Wenn man in den Zitaten das Wort "Tao" durch "UCO" übersetzen, erkennt man bereits bei der Lektüre der Zitate die Gleichheit der Aussagen über das Tao und der Aussagen über die UCO.

1. Die Welt der UCO ist unendlich; sie begründet das im Unendlichen geschlossene System "Wirklichkeit". Die UCO ist ohne Anfang und Ende, denn gäbe es etwas vor ihrem Anfang oder nach ihrem Ende, so gäbe es etwas außerhalb ihrer, das aber kann nicht sein, denn die Wirklichkeit ist laut Definition "Alles was ist", und alle anderen Welten sind in der UCO eingeschlossen, sind in sie eingebettet.
"Das Tao ist keinen Begrenzungen unterworfen. Tao ist ohne Anfang und ohne Ende" (Co15), ist "Urgrund des Seins, selbst grenzenlos, unendlich" (Ki72). Das Tao ist die eigentliche "ursprüngliche Einheit und Totalität" (Ki7/).

2. Die UCO ist Existenzbedingung von allem anderen: der Vollmaterie (UCM) mit ihren kleinsten Teilchen ebenso wie mit ihren Gestirnen, von  Leben, Psyche, menschlichem Geist. Die UCO ist jenseits der Materie, des Physikalisch- Energetischen, ist aber Bedingung der Existenz physikalischer Energie. Alle materiellen Formen, d.h. solche, die zumindest den zeitlichen Aspekt enthalten, also die Gegebenheiten der materialen, funktionalen und phänomenalen Seinsweise, entstehen durch Aktualisierung und progressive De-Aktualisierung der Materie-Bedingungen der UCO. Selbst die Gegebenheiten der ICO der ordinalen Seinsweise sind hinzuzurechnen, denn die ICO wird ja von den übrigen Seinsweisen "getragen".

So heißt es auch vom Tao:  "Tao ist "Ursache alles dessen was ist" (Ki92), ist "Ursprung allen Seins" (Bl20). "Erstes Kennzeichen des Tao ist T'ai chi, die Erstursache" (Ki79), "die Antriebskraft des Kosmos" (Ki72). Es "umfasst die gesamte Realität des Lebens; es ist die offenbarte Realität". "Tao ist jenseits der materiellen Existenz" (Co10), ist "Ursprung aller Energie, doch Energie ist nicht Tao, sondern lediglich eine seiner Manifestationen. Es ist das ewige Prinzip allen Lebens, aber kein Leben kann es ausdrücken, und alle Körper, alle materiellen Formen sind nur Ausdruck seiner Verwandlung und seiner momentanen Hülle" (ZitCo11).

3. Die Gegebenheiten jeder Primärhierarchie und somit auch die der UCO sind selbstreflexiv, d. h. die Gegebenheiten der UCO können sich selbst erzeugen. Primärgegebenheiten können und werden in der Regel auch durch andere Gegebenheiten (besonders "von unten", falls es ein "Unten" gibt) aktualisiert, sind aber darauf nicht angewiesen. Da es zur UCO kein "Unten" gibt, aktualisiert es sich selbst (und erzeugt dadurch Vollmaterie UCM und alles andere).

Das Tao ist der "Urgrund, der aus sich selbst heraus existiert" (Ki77) "Es existiert aus und durch sich selbst" (Co15) und "bewirkt ein Werden, das sich ohne irgendwelchen Eingriff von außen vollziehen kann (Ki75). "Wie durch nichts erzeugt, kann es selbst etwas erzeugen" (Ki79).

4. Die UCO ist Universal-Kosmische Ordnung ist die Primärhierarchie der ordinalen Seinsweise auf der Kosmischen Evolutionsstufe, aus ihr gehen Materie, Funktion und Bewusstsein samt der vom Bewusstsein produzierten Mentalen Ordnung (MO, ICO) hervor.
Das Tao ist "die Ordnung der Natur" (Ca108), " ist das Prinzip der universellen Ordnung" (Ki92), ist "allgemeines Ordnungsprinzip,...das unterschiedslos die geistige Tätigkeit des Menschen und den Kosmos beherrscht" (Ki74).

5. Die UCO ist eine hochabstrakte Entität, eine abstrakte Bedingung von allem, was ist. Einen persönlichen Schöpfergott anzunehmen ist nicht nötig.

Das Tao ist "streng unpersönlich" (Ki75), "im traditionellen Taoismus gibt es keinen Schöpfer" (Co14). Tao ist "frei von allen Merkmalen, existent aus sich selbst, undifferenziert, unvorstellbar in seiner Weite, und doch im kleinsten Samen in ganzer Fülle gegenwärtig" (Bl21).

6. Die UCO ist - wie jede Primärhierarchie - nur die Potenz, die Möglichkeit dessen, was sie bei ihrer Aktualisierung erzeugt; sie ist die Hierarchie der Materiebedingungen; sie ist die Möglichkeit der Existenz der Materie (UCM).
Das Tao ist "das Nicht-Existente, das die Möglichkeit der Existenz enthält" (C13)

7. In der UCO beginnt ein "dynamischer Informationsfluss", der alle Welten durchdringt und in der UCO endet, in doppeltem (polarem) Verlauf "von unten nach oben" und "von oben nach unten".
Das Tao ist "eine dynamische, vitale Macht" (Co13), ist "das alles Durchdringende" (Bl20), "Wir im Westen nennen es das Absolute, den Urgrund, ein Begriff, der in seinem Aussagegehalt der Präsenz und der Immanenz des Tao bis ins kleinste Teilchen der Materie hinein entspricht", so dass "der Welturgrund (das Tao) mit der Mannigfaltigkeit ihrer Schöpfungen identisch ist und nicht von ihr getrennt werden kann." (Ki83) ein "latenter Prozess,...der mit dem Lauf der Welt einhergeht und sie in ihrer Bewegung vorantreibt", eine "Rolle als treibende Kraft spielt T'ai, der zweite Aspekt des Tao" (Ki81).  

8. Das Tao ist "die letzte undefinierbare Realität und damit das Gegenstück zum hinduistischen brahman und dem buddhistischen dharmakaya. Es unterscheidet sich jedoch von diesen indischen Begriffen durch seine innere Dynamik...Das Tao ist der kosmische Prozeß, in dem alle Dinge beteiligt sind; die Welt wird als dauerndes Fließen und dauernder Wandel gesehen." (Ca108f).

9..Eine der Grundannahmen des Quadrialistischen Wirklichkeitsmodells ist die Einheit aller gegensätzlichen Gegebenheiten, die  als Polarität,  Antagonismus oder Komplementarität in Erscheinung treten kann. Diese Grundannahme der Einheit aller polaren Gegensätze wurde allerdings noch nicht näher behandelt; sie hat im augenblicklichen Stadium der Entwicklung des AWM vor allem in der visuellen Wahrnehmung ihre Berechtigung erwiesen. Aber schon bei oberflächlicher Suche findet man überall Polaritäten, angefangen von der Polarität/ Komplementarität von Materie und Antimaterie über die Komplementarität der Basenpaare in der Doppelhelix., die Hemmung und Förderung nervöser Prozesse bis zur Axiomatik der Logik: "Entweder A oder Nicht-A, ein Drittes gibt es nicht".

Im Taoismus sind Yin und Yang als "komplementäre Pole der Natur" (Co33) ganz bedeutende Prinzipien. Sie symbolisieren die "Dualität der Phänomene ... der zwei Kräfte der Natur, der zwei großen regulierenden Kräfte der kosmischen Ordnung in der Welt der Phänomene" (Co31). Yin und Yang sind nicht das Tao selbst, aber sie sind sein Schöpfungsprinzip: "Das Wirken des Tao bringt durch das Zusammenspiel von Yin und Yang eine spontane Schöpfung hervor". .."Die zwei Kräfte sind voneinander abhängig und keine kann für sich allen stehen" (Co33); sie bilden eine harmonische Einheit. Sie sind "von grundlegender Bedeutung...,.da es kein Sein gibt, das nicht in sich den Keim seines Gegenteils trägt" (Co32). Es ist die "Vorstellung von der Einheit aller Gegensätze" (Ca 117)

In mindestens neunfacher Hinsicht entspricht also die UCO dem TAO der alten Chinesen - das kann wohl kein Zufall sein. Es sind weitere Untersuchungen in Vorbereitungen: Vergleiche des Quadrialistischen Weltbilds mit den Weltbildern des Brahmanismus, des Buddhismus und mit dem Welt- und Menschenbild des Meister Eckhart.

Literatur


(Quellenangaben der Zitate erfolgen im Text mit Kennbuchstaben und Seitenzahl)

Bl = Blofeld J, 1986 Der Taoismus. Köln: Diedrichs

Ca = Capra F, 1984 Das Tao der Physik. Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie.  Bern, München, Wien: Scherz:

Co = Cooper J C, 1977 Der Weg des Tao. Eine Einführung in die älteste chinesische Weisheitslehre. München: Barth

KH = Kleine-Horst L, 2004 Der Anfang des nach-naturwissenschaftlichen Weltbilds. Gedanken und Experimente jenseits der Lehrmeinungen. Köln: Enane.

Ki = Kielce A, 1985 Taoismus. München: Heyne

Men-V = Mensching, G 1949 Vergleichende Religionswissenschaft. Heidelberg: Quelle & Meyer

Wi = Wilhelm R. 1948 Lao-Tse und der Taoismus. Stuttgart: Frommann's

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