Empiristische Theorie der Ontogenese und Aktualgenese visueller Perzepte.

Einleitung

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatten in der Wahrnehmungswissenschaft zumindest des deutschsprachigen Raums die "Ganzheitspsychologen" das Sagen, unter ihnen vor allem die "Berliner Schule" der sogen. "Gestaltpsychologie" (Wertheimer, Köhler, Koffka, Metzger u.a.). Ihr sind sehr wertvolle Experimentalergebnisse gerade auf visuellem Sinnesgebiet zuzuschreiben. Die ihrer nativistischen Grundannahme entsprechende "Gestalttheorie" wurde allerdings als den Tatsachen widersprechend abgewiesen. Der bedeutendste empirische Beitrag der "Leipziger Schule" der "Genetischen Ganzheitspsychologie" (Krueger, Sander, Wellek, Volkelt u.a.) waren die 1925 vom Sander-Schüler Wohlfahrt entdeckten Phänomene der (hologenen) "Aktualgenese". Diese besteht in der bei kontinuierlicher Reizverstärkung zu beobachtenden stufenweisen Differenzierung des Perzepts, angefangen typischerweise mit einem diffus-ganzheitlichen "Flecken" und weitergehend über eine Anzahl immer differenzierter werdender "Vorgestalten" bis hin zum veridikalen, volldifferenzierten Perzept. Diese völlig neuen und aufregenden Phänomene erweckten große Hoffnungen, nun endlich das Rätsel der visuellen Wahrnehmung lösen zu können. Man konnte in der Tat hoffen, mit der Aufdeckung der Aktualgenese von Perzepten der Psychologie denjenigen Forschungsschub zu geben, den die Biologie mit der Aufdeckung der Ontogenese von Lebewesen erhalten hatte. Allein, Sander beschloss, sich selbst als den Entdecker der Aktualgenese feiern zu lassen und die neuen Fakten, so gut es ging, vom Bewusstsein der wissenschaftlichen Welt fern zu halten, denn sie widersprachen weitestgehend seiner kleinen flugs zurechtgezimmerten Theorie (KH 1992d). So sind die aktualgenetischen Fakten in Vergessenheit geraten, und die internationale Wahrnehmungswissenschaft ist seit einem Dreivierteljahrhundert bis auf den heutigen Tag in die Irre gegangen. Alle bisherigen Wahrnehmungstheorien sind Geschichte; denn sie beruhen auf der Unkenntnis fundamentaler Wahrnehmungs- Phänomene - vor allem, aber nicht nur, auf denen der Aktualgenese und ihres Gegenprozesses, der Aktuallyse (s. Teil 1).

Anfang der 60er Jahre begannen zwei ganz neue Züge in der Erforschung der visuellen Wahrnehmung: zum einen waren es die Neurobiologen, die empirisch die Funktion einzelner Neurone im visuellen System erkundeten. Sie haben bis heute eine Menge neurophysiologischer Fakten gefunden, aber wie die alle miteinander und  mit den Wahrnehmungsphänomenen zusammenhängen, weiß man immer noch nicht (Hubel 1995), d.h., es fehlt eine brauchbare Theorie. Zur gleichen Zeit begann eine theoretische Erforschung der visuellen Wahrnehmung. 1961 habe ich als Student die aktualgenetischen Fakten "wiederentdeckt" und aus ihnen und weiteren Fakten eine (unveröffentlichte) Theorie der visuellen Gestaltwahrnehmung entwickelt (KH 1961), die jedoch ebenfalls dem Sanderschen Wissenschaftsbetrug zum Opfer fiel (KH 1992d).  Nach einer Pause von 20 Jahren konnte ich die Theorie weiterentwickeln (KH 1992a; 2001). Aus der stufenweisen Differenzierung von Perzepten, d.h. aus deren Aktualgenesen sowie aus phänomenologischen Analysen von Perzepten, konnte ich eine bestimmte funktionale Struktur der visuellen Perzepte erkennen. Unter Anwendung eines (ebenfalls in Vergessenheit geratenen) Gedächtnisgesetzes konnte ich schließlich eine auf einer 3-stufigen Hierarchie von (genetisch bedingten) Körperfaktoren aufbauende 10-stufige Grundhierarchie von 25 meist antagonistischen und im Laufe der ersten Lebenswochen des Menschen implizit erworbenen Gedächtnisinhalten ableiten, die als psychische Faktoren für die hochkomplexe visuelle Wahrnehmung verantwortlich sind.

Die "Empiristic theory of visual gestalt perception. Hierarchy and interactions of visual functions" (ETVG) konnte bereits zur Erklärung einer größeren Anzahl unterschiedlicher Wahrnehmungsphänomene - Ergebnissen von Laboratoriumsversuchen - angewandt werden. Sie hat sich ferner auch schon als zur Erklärung etlicher empirischer neurobiologischer Forschungsergebnisse geeignet gezeigt. So scheint eine Hierarchie theoretisch postulierter psychischer Funktionen, mit denen bestimmte Phänomene erklärt werden können, identisch zu sein mit der unabhängig von ihr empirisch gefundenen Hierarchie von Funktionen bestimmter Klassen visueller Neurone.

So ist anzunehmen, dass es sich bei der ETVG um diejenige Theorie handelt, nach der die Wahrnehmungswissenschaftler seit über 100 Jahren suchen. Mit dieser empiristischen Theorie einer neuen Gestaltpsychologie des Sehens sind alle nativistischen Grundannahmen in Bezug auf die Gesamtheit der Wahrnehmung endgültig erledigt, vor allem die der alten Gestaltpsychologie. Diese Nativisten glauben heute vergeblich, nach längerer Zeit des Schweigens wieder im mainstream Fuß fassen zu können, indem sie sich an die heute sehr im Vordergrund stehenden, ebenfalls nativistischen, Neurobiologen anhängen. Die Neurobiologen dagegen dürften eher in der Lage sein, zumindest die bis zum Gehirnareal V4 gefundenen visuellen Neuronfunktionen als Ergebnis von Lernprozessen anzuerkennen, denn gerade in letzter Zeit haben sie immer mehr die durch Lernprozesse bedingte Plastizität neuronalen Verhaltens erfahren.

So meine ich, es sei an der Zeit, die beiden Parallelströme zusammenfließen zu lassen. Damit wäre die unselige 75-jährige Forschungsblockade endlich aufgehoben. 

 

I. Die Figur/Umfeld-Wahrnehmung

1. Die Struktur des visuellen Figur/Umfeld-Perzepts

Nach der Vorstellung von Laien ist die visuelle Wahrnehmung einfach zu verstehen: die Umwelt wird auf die Retina projiziert; damit hat man von ihr ein "Bildchen im Kopf". Für die alten "Gestaltpsychologen" (Köhler, Koffka) ist es ebenfalls einfach: die höchst differenzierten visuellen Wahrnehmungsleistungen des Menschen haben sich halt im Laufe der biologischen Evolution herausgebildet. Wie, das weiß man nicht, man kann es auch kaum untersuchen; es ist eben so. Schon vorher hat es zu dieser nativistischen Auffassung eine empiristische gegeben (Helmholtz 1866). Nach dieser beruhen bestimmte Wahrnehmungsqualitäten auf Lernprozessen. Allerdings unterschieden die Anhänger dieser Auffassung nicht zwischen explizitem und implizitem Lernen, und viele Psychologen weigern sich heute noch, einen solchen Unterschied zu akzeptieren (Hoffmann 1993, KH 1994a). So gibt es erst eine einzige differenzierte und plausible Theorie, die "Empiristic theory of visual gestalt perception. Hierarchy and interactions of visual functions" (ETVG) (KH 2001). Nach ihr beruht das visuelle Wahrnehmungserleben auf einer kleinen Hierarchie von genetisch bedingten Körperfaktoren und einer auf dieser aufbauenden 10-stufigen Hierarchie von 25 psychischen "Gestaltfaktoren". Diese 10-Stufen-Hierarchie wird in den ersten Lebenswochen des Menschen durch implizite Lernprozesse aufgebaut, und zwar auf Grund eines seit langem bekannten Gedächtnisgesetzes. Dieses besagt: Eine Einprägung von Gegebenheiten erfolgt nach Maßgabe der Häufigkeit ihrer zeitlichen und räumlichen Zusammenbefindlichkeit ("Kontiguität"), wobei Ebbinghaus (1905) das Gesetz sogar auf die zeitliche Kontiguität beschränkte. Ebbinghaus hatte in seinen Lernexperimenten mit sinnlosen Silben gearbeitet. Die Gestaltpsychologen wiesen nach, dass sich größere Lerneffekte einstellten, wenn sinnvolles Material einzuprägen war. Obwohl beide Ergebnisse einander nicht ausschlossen, geriet das Kontiguitätsgesetz unter dem Druck der "alten" Gestaltpsychologie in Vergessenheit. Die "neue" Gestaltpsychologie des Sehens, die ETVG, ruft es wieder in Erinnerung, bezieht es aber nicht nur - wie Ebbinghaus es tat - auf phänomenale Gegebenheiten (Erlebtes), sondern auch auf funktionale Gegebenheiten (Erlebensbedingungen) als einzuprägendem Material. Die materialen Lichtreize (Photonen) werden von Körperzellen (den Rezeptoren der Retina) empfangen, was zu deren "Erregung" führt. Diese wird über Neurone zu anderen Neuronen  weitergeleitet.   Man  muss  also  zwei Klassen  von   Gegebenheiten   streng   voneinander  unterscheiden:  die  Neurone (incl. Rezeptoren), die aus "Materie" bestehen, und deren Erregungen, die selbst keine Materie sind, sondern "Funktion" dieser Materie. Abb. 2-1 zeigt denjenigen Teil der in der ETVG entwickelten Struktur des visuellen Systems, der sich auf die statische, 2-dimensionale Figur/Umfeld-Wahrnehmung bezieht.

Abb. 2-1. System der an der statischen, 2-dimensionalen Figur/Umfeld- Wahrnehmung beteiligten Klassen von Materien, Funktionen und Bewusstseins-Phänomenen
(aus ETVG, Fig. 1-4)

Die funktionsfähige Materie sei "Körpermaterie" oder "Vitalmaterie" (VM) genannt. Sie baut auf der anorganischen Materie auf, die keine "Funktion" im Sinne der "Vitalfunktion" (VF) einer Körpermaterie besitzt. Die Hierarchie der Körperfunktionen findet ihre Fortsetzung in der Hierarchie spezifischer Psychischer Funktionen (PF), aus denen die mit ihnen korrelierenden spezifischen Psychischen Bewusstseine (Psychic consciounesses, PC), d.h. hier: visuelle Erlebnisse, entstehen können. Das visuelle System gliedert sich "horizontal" in drei Seinsweisen (Sw) (oder Bereiche, Seinsbereiche): die materiale, funktionale und phänomenale (bewusste) Sw, und es gliedert sich "vertikal" in zwei Persönlichkeitsschichten: Leib (Körper) und Seele. (Über die sich aus der ETVG ergebende Lösung des Leib-Seele-Problems: s. Teil 3). Da die Persönlichkeitsschichten als Niederschlag der Evolution aufgefasst werden, werden sie im Folgenden meist als "Evolutionsstufen" (Ev.st) bezeichnet. Es ergeben sich vier "Welten", das sind die "Schnittstellen" der Evolutionsstufen und der "senkrecht" auf ihnen stehenden Seinsweisen. Diese Struktur anzunehmen hat sich bei der Entwicklung der Theorie als notwendig ergeben; denn anders ist die visuelle Wahrnehmung nicht zu verstehen. Was in der hier verwendeten Metasprache "materiale Sw" genannt wird, ist in der traditionellen Sprache die "Materie", während die metasprachliche "phänomenale Sw" dem traditionellen "Bewusstsein" entspricht. Für die "funktionale Sw" gibt es in traditioneller Philosophie und Wissenschaft keine Entsprechung; eine solche Entität ist nicht vorgesehen, sie ist in über 2000 Jahren Philosophiegeschichte nicht einmal als Idee aufgetaucht. (In Teil 3 wird gezeigt, dass genau dieses Fehlen des funktionalen Bereichs "zwischen" Materie und Bewusstsein im traditionellen Weltbild das Materie-Bewusstsein- bzw. Leib-Seele-Problem ausmacht, und die Annahme ihrer Existenz dieses Problem zu lösen vermag.)

Abb. 2-2 zeigt eine Erweiterung des Schemas der Abb.2-1. Erweitert wurde es zum einen "nach oben": Denn auf dem Objekt- oder Wahrnehmungsbewusstsein (PC) baut sich das "Mentale Bewusstsein" (MC) auf, das der 4., der mentalen, Ev.st. angehört. Mit dem psychischen Bewusstsein (PC) nimmt man schlicht die Umwelt wahr, ohne sich "Gedanken darum zu machen" (MC). Erst mit der höheren Art des Bewusstseins, dem reflexiven, mentalen oder geistigen Bewusstsein, wird man sich (u.a.) des Vorgangs des Wahrnehmens bewusst. Zum anderen muss man unterhalb der 2., der physischen, Ev.st., d.h. unterhalb der funktionsfähigen Körpermaterie (VM), eine nicht- funktionsfähige Materie, ansetzen, die "Universal-Kosmische Materie" (UCM), der beispielsweise die Photonen angehören, die ein Abbild der Umwelt auf die Retina projizieren. Diese Art der Materie befindet sich auf der 1. Evolutionsstufe. So besteht unser erweitertes Weltbild aus vier Ev.st und drei Sw. und enthält als "Schnittstellen" von Ev.st und Sw  sechs "Welten". Der Dreiheit der Seinsweisen wegen handelt es sich um ein "trialistisches" Weltbild. (Eine Erweiterung wiederum dieses Weltbilds um eine vierte Seinsweise in ein "quadrialistisches" oder "Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit" erfolgt in Teil 3.)

Abb. 2-2. Das visuelle System innerhalb eines trialistischen Vier-Stufen-Modells der Wirklichkeit
(M = materiale, F = funktionale, P = phänomenale Seinsweise (Seinsbereich, sphere).

Eine dritte Erweiterung des Schemas besteht darin, dass zwischen alle unmittelbar benachbarte Welten ("Kästchen") ein Doppelpfeil gezeichnet wurde, der die unmittelbare gegenseitige Beeinflussbarkeit der zwei durch ihn verbundenen Welten und über diese die mittelbare Beeinflussbarkeit der "weiter weg" liegenden Welten signalisieren soll. Mögliche Einflussnahmen ziehen sich somit durch die gesamte (bisher beschriebene) Wirklichkeit hindurch, sowohl "von unten nach oben" als auch "von oben nach  unten", von UCM nach MC und von MC nach UCM. (Erst in Teil 3 wird die Gegenseitigkeit der Einflussnahme näher erörtert.)

 2. Die Ontogenese der visuellen Figur/Umfeld-Wahrnehmung
in den ersten Lebenswochen des Säuglings

In Abb. 2-1 wird das fundamentale System der Gegebenheiten, das unmittelbar für die visuelle Wahrnehmung eines Außenwelt-Gegenstands verantwortlich ist, unter Beschränkung auf die statische, 2-dimensionale Wahrnehmung grafisch dargestellt. Als Beispiel diene der "Mond am Himmel": Der helle Mond wird auf die Retina eines Auges projiziert, ebenso wie der ihn umgebende dunkle Nachthimmel. Wir nehmen dann das "Objekt in (seiner) Umgebung" als eine "Figur in (ihrem) Umfeld" wahr. Eine "Figur" ist ein homogenes Feld bestimmter Helligkeit oder/und Farbe, das durch eine scharfe "Kontur" (Grenzlinie) von dem sie umgebenden homogenen Feld abgesetzt ist, wobei mit den Merkmalen "homogen", "bestimmt" und "scharf" stets ein "mehr oder weniger" mitzudenken ist. Allgemeiner ausgedrückt: die (statische, 2-dimensionale) Figur ist ein Teil des Gesamtwahrnehmungsfeldes, der sich gegen den Rest dieses Feldes als ihres Umfelds durch eine Linie vollständig abgrenzt.

An Hand der Abb. 2-1 seien nun im einzelnen die Faktoren beschrieben, die die Wahrnehmung eines Objekts bedingen. Eine etwas ausführlichere Beschreibung ist notwendig, um im Leser das Vertrauen in die Plausibilität der Theorie aufzubauen. Wer noch größere Plausibilität wünscht, kommt um die Lektüre der Theorie nicht herum. Die von einem Objekt auf die Retina auftreffenden Lichtstrahlen bilden auf dieser das 3-dimensionale Objekt 2-dimensional ab. Jeder Rezeptor (oder jede Gruppe von Rezeptoren) Y wird zu einem bestimmten Zeitpunkt t von einem Lichtstrahl getroffen. Es wird angenommen, dass es ein bestimmtes materiales Substrat Yt gibt, das den Zeitpunkt (t) der Reizung registriert. Zum selben Zeitpunkt wird eine große Menge von Rezeptoren (Yl) gereizt, jeder dieser Rezeptoren befindet sich an einem anderen Ort (Lokalität, l) der Retina. Jedem Ort entspricht eine bestimmte Raumrichtung, in der die Reizquelle (Objekt bzw. Objektteil) wahrgenommen wird. (Trifft ein Lichtstrahl auf einen Rezeptor, der sich beispielsweise auf der Retina "unten links", bezogen auf die Fovea - die Stelle mit der größten Sehschärfe - befindet, so wird die Reizquelle "oben rechts" von der angeblickten Stelle der Umwelt wahrgenommen.) In jedem Rezeptor befindet sich eine bestimmte "Sehsubstanz" (Ym), die, wenn von Photonen getroffen, mit ihrer modalen Körperfunktion Zm dem Eigner der Retina eine bestimmte Modalität (m), d.h. Helligkeit und/oder Farbe, vermittelt. Diese erscheint mit Hilfe der Körperfunktionen Zl und Zt an einem bestimmten Ort l und zu einem bestimmten Zeitpunkt t.

Alles dies läuft im Körper ab; die Körpermaterien (Y) der materialen Sw produzieren keine Gegebenheiten der phänomenalen Sw, also keine (subjektiven) Eindrücke, Erlebnisse, Wahrnehmungsphänomene, sondern nur Körperfunktionen (Z), d.h. Gegebenheiten der funktionalen Sw, und diese produzieren auf dieser Evolutionsstufe ebenfalls keine Erlebnisse, sondern sind lediglich die Bedingungen für bestimmte Erlebnisse auf der nächst-höheren Evolutionsstufe. Erst wenn - so die ETVG - die Z-Funktionen von mehreren räumlich und zeitlich nahe beieinander liegenden Rezeptoren durch einen impliziten Lernprozess miteinander kombiniert worden sind und als Gedächtnisinhalt die hierarchisch höhere Funktion (Pmdlt) gebildet haben, kann diese durch die niederen Funktionen, auf denen sie aufbaut, "aktualisiert" werden, d.h., sie kann ein bestimmtes Wahrnehmungserlebnis (Pmdlt') hervorrufen. Diese neue Funktion P ist also nicht genetisch vorgegeben wie eine physische Z-Funktion, sondern wird, weil durch einen Lernprozess entstanden, als psychische Funktion (PF) von den physischen Vitalfunktionen (VF) unterschieden. Gewiss, die Lernfähigkeit selbst ist genetisch vorgegeben, aber nicht der konkrete Lerninhalt. Weil es sich bei der neuen Funktion um eine ganz neue Art handelt, wird sie einer neuen, einer höheren, Evolutionstufe zugeordnet: der seelischen oder psychischen Ev.st. Die neue Funktion, die unterste der seelischen Ev.st. auf dem Gebiet der visuellen Wahrnehmung, sei "Perzipierungsfaktor" (Pmdlt) genannt. Die Indices des Symbols P weisen darauf hin, dass P sich auf die Modalität m, die Lokalität l, d.h. die Position innerhalb der Retina, und den Zeitpunkt t der Reizung bezieht. Das "d" steht für "3. Dimension", für "Tiefe", in der die Reizquelle mit zusätzlicher Hilfe eines "ähnlich" positionierten Rezeptors (Yd und seiner Funktion Zd) des zweiten Auges wahrgenommen werden kann. In Abb. 2-1 werden mit "Pml" nur die für das statische, 2-dimensionale Perzept geltenden Indices m und l angegeben, das daher stets als (2-dimensionales) "Figur/Umfeld"- und nicht als (3-dimensionales) "Figur/Grund"- Perzept bezeichnet wird.

Der Faktor P lässt nicht, nur weil er nun existent ist, bereits etwas erleben, subjektiv wahrnehmen. Erst wenn er durch nachfolgende Sinnesreize und über die körperlichen Vitalmaterien Y und deren Z-Funktionen "aktualisiert" wird, und zwar in ausreichendem Maße, wird seine Potenz zu visuellem Erleben zu aktuellem Erleben, d.h. die "psychische Funktion" (PF) produziert jeweils "ihr" spezifisches "psychisches Bewusstsein" (psychic consciousness, PC). Es muss angenommen werden, dass im Falle Pmdlt' folgendes erlebt wird: "Hier (l) vorn (d) ist (P) jetzt (t) was (P) Helles (m)". Dieses psychische Erlebnis Pmdlt' ist von ganz anderer Art als die psychische Funktion Pmdlt und wurde deshalb in Abb. 2-1 in ein anderes "Kästchen" gezeichnet, wie schon die physischen Z-Funktionen in je ein anderes "Kästchen" gezeichnet wurden als die physischen Y-Materien. P ist der unterste "Gestaltfaktor" des hierarchisch aufgebauten visuellen psychischen Systems und P' "seine" und damit ebenfalls die unterste und somit einfachste "Gestaltqualität". Ein Wahrnehmungserlebnis ist im übrigen stets ein ganzheitliches Erlebnis (als Ellipse dargestellt).

Einige Erläuterungen:

  1. Wenn die Modalität m in der Formulierung des Pmdlt'-Erlebnisses als "Helles" bezeichnet wurde und nicht als "Farbiges", so deswegen, weil Farberleben innerhalb des P-Erlebens eine hierarchische Substufe über dem Helligkeitserleben steht. Das lässt sich einfach zeigen: Farbe ist immer auch hell, aber Helligkeit ist nicht immer auch farbig; Helligkeit fundiert somit Farbe und nicht umgekehrt.
  2. "Gestalt" ist der zentrale Begriff der "alten" Gestaltpsychologie; er wird dort als Substantiv verwendet und ist dann oft nur ein Synonym für "Form" oder für "Figur". Spricht ein Vertreter der alten Gestaltpsychologe in besonderem, fast möchte man sagen, "gehobenerem" Sinne von "Gestalt", dann meint er eine Figur, die durch unter bestimmten Bedingungen sich spontan einstellende Formmerkmale gekennzeichnet ist wie Einfachheit, Symmetrie, Geradheit, Rechtwinkligkeit, Parallelität (s. Kap. II). Definiert haben die "alten" Gestaltpsychologen das Wort "Gestalt" nie (es sei denn als Form oder Figur); es ist halt ein Wort, kein Begriff. Wie sie auch die soeben aufgelisteten Wörter nicht definiert haben, im Vertrauen darauf, der Leser wisse schon, was mit ihnen gemeint sei.
  3. In der neuen Gestaltpsychologie des Sehens, der ETVG, tritt "Gestalt" nie als Substantiv auf, sondern nur in zusammengesetzten Wörtern, die dann stets eine definierte Bedeutung besitzen.
  • So wird unter (visueller) "Gestaltwahrnehmun g" in der ETVG die Wahrnehmung verstanden, insofern sie nicht auf die Wirkung rein physischer Faktoren reduzierbar ist, d.h. soweit der Helligkeitsgrad nicht ausschließlich durch die Leuchtdichte, der Farbton durch die Wellenlänge des Lichts, die Position der wahrgenommenen Reizquelle im Gesamtwahrnehmungsfeld durch die Position der gereizten Rezeptoren innerhalb der Retina, die wahrgenommene Tiefe durch die binokulare Disparation und der Zeitpunkt der Wahrnehmung durch den Zeitpunkt der Reizung erklärt werden kann. Jede Gestaltwahrnehmung wird durch die in der ETVG dargestellten Gestaltfaktoren verursacht und führt zu einem ganzheitlichen Wahrnehmungserlebnis, das sich aus den spezifischen "Gestaltqualitäten" der beteiligten Gestaltfaktoren ergibt.
  • Im Falle der Wahrnehmung "Blau" beispielsweise ist diese Erklärbarkeit gegeben, wenn der Lichtreiz die Wellenlänge von ca 480 nm (Nanometer) hat, oder wenn bei einer "Gelb"-Wahrnehmung das Licht die Wellenlänge von ca 570 nm hat. Sieht man aber bei 480 nm nicht Blau, sondern Gelb oder Rot oder Grün, so liegt bereits eine "Gestaltwahrnehmung" vor, die dann mit den in der ETVG beschriebenen Wechselwirkungsgesetzen ("Gestaltgesetzen") auch erklärt werden kann.
  • Selbst wenn im Falle der Wahrnehmung Pmdlt' Zeit t, Ort l, Tiefe d und Helligkeit m des Wahrgenommen der o.a. Erklärbarkeit und somit der evt. Reduzierbarkeit auf physische (Z) Faktoren entsprechen, so liegt dennoch bereits eine Gestaltwahrnehmung vor, weil der Gestaltfaktor P "seine" spezifische Gestaltqualität den Qualitäten m, d, l und t hinzufügt, so dass die Gesamtwahrnehmung bereits von diesen physisch bedingten Qualitäten abweicht. Was ist es, das P hinzufügt? Es ist die Qualität "Ist was". Das heißt, mit "P" erfolgt die Detektion von "Welt", die nicht nur wahrgenommen, sondern auch als existent wahrgenommen wird, und zwar in dem Sinne, dass der "die Welt detektierende" Mensch wie jedes tierische Lebewesen sich dieser Welt als seiner Umwelt zuwendet. Diese Zuwendung ist - wie bei Tieren - keine erlernte, sondern eine instinktive, biologisch vorgegebene körperfunktionale Reaktion. Neu ist, dass das Lebewesen mit "P" die Umwelt nunmehr auch (subjektiv) erlebt. Können die Aspekte m, d, l und t evt. noch auf physische Faktoren reduziert werden: P kann es nicht. Für ein Baby, das erst wahrzunehmen "lernt", handelt es sich nicht um ein im Sinne der Reflexion "bewusstes" Erleben, etwa von der Art: "Ach wie schön, ich sehe ja jetzt ein Licht!". Es ist vielmehr ein schlichtes Objektbewusstsein (PC), ein Objekterleben, während das reflexive, das mentale, Bewusstsein in der Evolution später auftritt und zwar in der vierten Evolutionsstufe, und indem es sich auf dem Objektbewusstsein aufbaut.
  • Soeben wurde die allerunterste der fünf untersten Stufen des (insgesamt 10-stufigen) visuellen Gestaltwahrnehmungssystems beschrieben. Es folgt nun die Beschreibung der nächsten vier Stufen (unter Nichtberücksichtigung der den d- und den t-Aspekt betreffenden Faktoren und Qualitäten). So zeigt Abb. 2-1 die Hierarchien der für die statische, 2-dimensionale Figurwahrnehmung zuständigen Gestaltfaktoren und Gestaltqualitäten. Man sieht, dass sich auf dem P-Faktor vier weitere Stufen mit fünf Faktoren aufbauen, deren Aktualisierung zu weiteren Gestaltqualitäten führt. Da das Erleben stets ganzheitlich ist, umfassen die jeweils höherstufigen Gestaltqualitäten die jeweils niederen Qualitäten, begreifen sie in sich (was grafisch als ein System ineinander geschachtelter Ellipsen dargestellt ist). Damit wird ausgedrückt, dass die höheren Qualitäten das durch die je niederen Qualitäten gebildete und auf P' aufbauende ganzheitliche Wahrnehmungserleben differenzieren. Die Gestaltfaktoren, die sich im Laufe der Ontogenese des visuellen Systems gebildet haben, wurden aus jenem altbekannten Gedächtnisgesetz abgeleitet. Man stelle sich den "Mond am Himmel" vor; er repräsentiert das typische Figur/Umfeld-Muster: An ihm finden sich in unmittelbarer räumlicher und zeitlicher (oft gleichzeitiger) Nachbarschaft entweder zwei mal zwei Helligkeiten von kleinem Helligkeitsunterschied (im Mondinneren: hell/hell, am Himmel: dunkel/dunkel) oder zwei Helligkeiten von großem Helligkeitsunterschied (am Mondrand: hell/dunkel). Diese oft vorkommenden kleinen (-) oder großen (+) Helligkeitsunterschiede (genauer: die funktionalen Wirkungen der materialen Leuchtdichteunterschiede) führen auf der 2. Substufe zum Gedächtnisinhalt Dm (=Differenzierung in modaler Hinsicht): Dm- und Dm+. Man beachte: Jeder Gestaltfaktor/Gedächtnisinhalt wird zweifach aktualisiert, einmal relativ stark (+) und einmal relativ schwach (-).

    Zuweilen wurden die Ausdrücke "Faktor" und "Funktion" synonym verwendet. Will man differenzieren, dann ist "Faktor" der Oberbegriff. Einem Gestalt-Faktor in der funktionalen Sw. entspricht eine Gestaltqualität- Dimension in der phänomenalen Sw. Den zwei antagonistischen "Gestalt-Funktionen" eines Gestaltfaktors, z.B. den Funktionen Gml+ und Gml- des Gestaltfaktors Gml, entsprechen zwei einander polare (Gestalt)Qualitäten, hier die Qualitäten Gml+ ("Inhomogenität) und Gml- (Homogenität) der Gestaltqualitäts- Dimension Gml. Die zwei antagonistischen Gestaltfunktionen werden im übrigen durch die Sinnesreize über zwei komplementäre Retinabezirke der materialen Sw. aktualisiert, die den rezeptiven Bezirk des betreffenden Gestaltfaktors bilden.

    Man beachte jetzt zusätzlich Abb. 2-3. Die von einem Objekt verursachten Helligkeiten befinden sich an unterschiedlichen Orten (Dl), entweder nah beieinander (Dl-) oder weiter voneinander weg (Dl+), gleichwohl in großer zeitlicher Nähe zueinander, so dass eine Einprägung dieser räumlichen Beziehungen erfolgen kann. Auf der 3. Substufe der 3. Ev.st. bildet sich ein weiterer Gedächtnisinhalt; denn es gibt bestimmte, häufig vorkommende Beziehungen wiederum zwischen Dm und Dl: Die Mond-Himmel-Grenze ist auf der Retina durch ein großes Verhältnis von Dm/Dl charakterisiert, d.h. es befindet sich hier ein großer Helligkeitsunterschied (Dm+) auf kleinstem Ortsunterschied (Dl-). Dieses Verhältnis wird in der ETVG "lokaler Helligkeitsgradient" (Gml) genannt, der - wie gesagt - an der Mondgrenze groß (Inhomogenität, Gml+) und auf der Mondfläche bzw. auf der dunklen Himmelsfläche klein (Homogenität, Gml-) oder gar gleich Null ist. Nachdem der Gedächtnisinhalt (= Gestaltfaktor) Gml gebildet worden ist, prägen sich Beziehungen zwischen den Gml ein: die Inhomogenitäten befinden sich auf der Retina in einer Linienanordnung (Linie, Ll+), die Homogenitäten in einer Haufenanordnung (Feld, Ll-). Diese Beziehungen werden eingeprägt und führen - eine Hierarchiestufe höher - zum Gedächnisinhalt Ll, der dann als "phänomenfähiger" Gestaltfaktor Ll fungiert.

     

    Abb. 2-3. System der antagonistischen Gestaltfunktionen bzw. ihrer polaren Gestaltqualitäten in der statischen, 2-dimensionalen Figur/Umfeld-Wahrnehmung
    (aus KH 2001, Fig. 2-14)

    Da mehrere kleine Linienabschnitte (L+) vollständig eines der beiden Felder umschließen (Fl+), heißt die Einheit dieser Linien die (Umschließungs-) "Kontur". Das umschlossene (Fl+) Feld wird "Infeld", die Einheit von Infeld und Kontur "Figur", und das die Figur umschließende und selbst "offene" (Fl-) Feld wird "Umfeld" genannt. Und alle bilden eine phänomenale Ganzheit, das "Infeld-Kontur-Umfeld-System"; dieses stellt eine "Figur 1. Ordnung" dar. Alle diese spezifischen Gedächtnisinhalte wirken als "Gestaltfaktoren" bzw. als deren Plus/Minus-Gestaltfunktionen; denn sind sie einmal entstanden, produzieren sie, wenn sie selbst durch nachfolgende "Gestaltreize" aktualisiert werden, "ihre" spezifischen Gestaltqualitäten. (Diese Gestaltreize stammen ihrerseits aus der Aktualisierung der Gestaltfaktoren der jeweils niedrigeren Stufe, auf denen die höherstufigen Faktoren aufbauen). Das Gestaltwahrnehmungssystem entsteht also dadurch, dass die am häufigsten vorkommenden und zwischen den auf die Retina treffenden Lichtreizen bestehenden Beziehungen und Beziehungs-Beziehungen eingeprägt werden. Und da das Retinabild eine optische Projektion der Außenwelt-Objekte ist, werden zugleich entsprechende Beziehungen zwischen diesen Objekten (bzw. Objektteilen) eingeprägt. So wie sich die Lebewesen in der biologischen Evolution an ihre Umwelt anpassen, indem sie sich im "Artgedächtnis" (VM) die Umwelt-Beziehungen gleichsam "einprägen", so passen sie sich in der psychischen Evolution (falls sie eine solche durchmachen) ihrer Umwelt an, indem sie die Umwelt-Beziehungen in ihrem (impliziten) "Individualgedächtnis" (PF) einprägen.

    Auf der 5. Substufe (Fl) des 10-stufigen visuellen Gestaltwahrnehmungssystems ist die ontogenetische Bildung des fundamentalen polaren Figur/Umfeld-Perzepts abgeschlossen. Das statische, 2-dimensionale Perzept besteht phänomenal aus einer 5-stufigen Hierarchie von 6 polarisierten Paaren von Gestaltqualitäten, seine funktionale Architektur besteht aus einer 5-stufigen Hierarchie antagonistisch wirkender Paare von individuell erworbenen Gestaltfunktionen, die über je zwei materiale und zueinander komplementäre Bezirke (Retinabezirke) durch Lichtsinnesreize aktualisiert werden.

    Mit Hilfe dieser ersten 5 Stufen der Gestaltfunktionen mit m- und l-Aspekt kann lediglich eine einzige Figur in ihrem (einzigen) Umfeld wahrgenommen werden, dabei kann nicht einmal die Einzahl ("Einsheit") wahrgenommen werden, auch keine Mehrheit von Figuren, und wenn sich noch so viele Objekte auf der Retina abbilden. Auch kann keine Formbesonderung der Kontur bzw. des Infeldes wahrgenommen werden, sondern lediglich ein "Flecken", der sich sowohl durch eine mehr oder weniger scharfe Grenzlinie als auch durch eine von seiner Umgebung (seinem "Umfeld") verschiedene Helligkeit bzw. Farbe abhebt. Die Wahrnehmung der Menge und der Form von Figuren ist nur durch Aktualisierung höherstufiger Gestaltfaktoren (Gedächtnisinhalte) möglich. Zu betonen ist das in der traditionellen Wahrnehmungswissenschaft offenbar unbekannte Faktum, dass Figur und Umfeld eine polare Einheit bilden. (Um dies zu betonen, wurde bisher stets von einer "Figur in ihrem Umfeld" gesprochen.) Sie können die Probe aufs Exempel machen: Versuchen Sie, sich eine Figur ohne ihr Umfeld vorzustellen oder sie zu zeichnen - es geht nicht. Sie können auch kein Umfeld zeichnen (vorstellen) ohne die Figur, deren Umfeld sie ist; beide bilden eine phänomenale Einheit. Ebenso bilden eine Einheit: Grenzlinie und Feld (Ll), Inhomogenität und Homogenität (Gml), Dm+ und Dm-, Dl+ und Dl-, Pml+ und Pml-. So kann man z.B. nicht von einem "großen" Helligkeitsunterschied sprechen, ohne ihn auf einen "kleinen" Helligkeitsunterschied zu beziehen und umgekehrt, wobei eben doch jeder der einander zugeordnete Pole einer Qualitätsdimension den anderen aktuell ausschließt. So ist die Unsitte der Menschen (einschl. der Wissenschaftler), in "Entweder-Oder"-Mustern zu denken statt in "Sowohl-als-auch", tief in unserem Wahrnehmungssystem verankert. Denn worum und wie streiten sich z.B. die Vertreter unterschiedlicher Wahrnehmungstheorien?

     

    3.  Bestätigung der ETVG durch  neurobiologische Fakten

     Zur Zeit der Fertigstellung des ersten Theoriemanuskripts (KH 1961) begannen Hubel und Wiesel (1962, 1965, 1968) ihre bahnbrechenden experimentellen Untersuchungen an visuellen Neuronen, die bis heute international weiter fortgesetzt wurden. Später erschienen Zusammenfassungen der bis dato erreichten Erkenntnisse der Neurophysiologie über die Hierarchie von Neuronenklassen und ihrer Funktionen (Livingstone und Hubel 1987,1988; Zeki und Ship 1988). Auch die empiristische Theorie wurde inzwischen weiter entwickelt und erschien 1986-89 zunächst in Form einer 8-teiligen Schriftenreihe, später als deren Sammelband (KH 1992a), dann in erweiterter Form in Englisch (KH 2001). Aber Hubel (1995) musste bekennen, dass die internationale Neurophysiologie bisher noch zu keinem Verständnis der visuellen Wahrnehmung gelangt ist:  

    Wie gut dennoch die Übereinstimmung der empirisch gefundenen "Materiologie" der Neurobiologie mit der theoretisch abgeleiteten "Funktionologie" der ETVG (beide wussten nichts voneinander) und der mit beiden korrelierenden "Phänomenologie" des visuellen Systems wenigstens im Falle der untersten fünf psychischen Stufen plus der unter diesen liegenden physischen Stufe gelungen ist, zeigt Tab. 2-1. Werden in Tab. 2-1 die Korrespondenzen zwischen den speziellen Funktionen bestimmter  Neuronenklassen mit den speziellen Funktionen bestimmter Klassen von Gestaltfaktoren gezeigt, so zeigt Tab. 2-2, dass auch die generellen Funktionen eines Neurons mit den generellen Funktionen eines Gestaltfaktors übereinstimmen, man darf sagen: mit ihnen identisch sind.

    psychical level

    matters

    functions

    phenomenons

    5

    Visual area 4

    Fl+ / Fl-

    figure / outfield

    4

    Visual area 2:
    interstripes / thin stripes

    Ll+ / Ll-

    line / field

    3

    Visual ara 1:
    interblobs / blobs

    Gml+ / Gml-

    inhomogeneity /
    homogeneity

    2

    lateral geniculatum
    nucleus (LGN)

    Dm+ / Dm-
    Dl+ / Dl-

    great / small differences
    in brightness
    and locations

    1

    retinal ganglion cells

    Pml+ / Pml-

    brightness / darkness
    at location

    physical level

    receptors

    Zm, Zl

    ----------------

    Tab. 2-1. Die Korrespondenzen zwischen den Gegebenheiten der materialen, der funktionalen und der phänomenalen Seinsweise des visuellen Systems auf der physischen bzw. psychischen Evolutionsstufe (erweitert nach ETVG, 3-28)

    Neuron

    Gestaltfaktor

    1) Eine Klasse von Neuronen wird erregt

    Eine Klasse von Gestaltfaktoren wird aktualisiert

    2) durch einen (Sinnes)Reiz,

    durch einen Gestaltreiz,

    3) falls der Reiz eine Mindeststärke besitzt (Reizschwelle).

    falls der Gestaltreiz eine Mindeststärke besitzt (Aktualisierungsschwelle).

    4) Wenn der Reiz unterschwellig bleibt, kann das Neuron durch zusätzliche Reize erregt werden.

    Wenn der Gestaltreiz unterschwellig bleibt, kann der Gestaltfaktor durch zusätzliche Gestaltreize aktualisiert werden.

    5) Je stärker der Reiz, um so stärker die Gesamterregung der Neuronenklasse

    Je stärker der Gestaltreiz, um so stärker die Gesamtaktualisierung der Gestaltfaktorenklasse.

    6) Es gibt zwei antagonistische Funktionen des Neurons: Förderung und Hemmung.

    Es gibt zwei antagonistische Funktionen eines Gestaltfaktors: eine "positive" (+) und eine "negative" (-).

    7) Die Erregung eines visuellen Neurons erfolgt über ein Retina-Areal von bestimmter Form ("rezeptives Feld")

    Die Aktualisierung eines visuellen Gestaltfaktors erfolgt über ein Retina-Aral von bestimmter Form ("rezeptiver Bezirk").

     Tab. 2-2. Korrespondenzen zwischen den generellen Funktionen von Neuron und Gestaltfaktor
    (erweitert nach ETVG, 3-6)

    Wir können also folgendes festhalten:

    1. Jede dieser von den Neurobiologen empirisch gefundenen Neuron-Funktionen ist eine von der ETVG vorhergesagte  Gestaltfunktion;
    2. Jede dieser Gestaltfunktionen ist ein Gedächtnisinhalt
    3. Bewusstsein (Erleben) entsteht durch Aktualisierung (Auslösung) eines Gedächtnisinhalts.

    Einerseits braucht Hubel also - angesichts der Tab. 2-1 - nicht ganz so pessimistisch zu sein: die Neurophysiologen können durchaus bereits einen "Kreis" erklären - sie wissen es nur noch nicht. Denn mit der Funktion der visual area 4 ist die Figur/Umfeld-Wahrnehmung abgeschlossen: das Baby kann jetzt einen Kreis (genauer gesagt: eine Art Kreisscheibe, einen "Flecken", eine "Figur in ihrem Umfeld") wahrnehmen. Andererseits meint Hubel wohl, und meinen andere Neurobiologen mit ihm, wenn sie die Wahrnehmung von drei dicken "Strichen" erklären könnten und auch wüssten, wie das Gehirn es fertig bringt, diese zu einem "A" zusammen zu "binden", dann wäre ihre Erklärungsaufgabe erledigt. Leider ist dem nicht so. Was das visuelle System mit so einem einfachen Reiz alles anstellen kann, welch unterschiedliche Wahrnehmungserlebnisse es produzieren kann, zeigt sich in aktualgenetischen Experimenten, die unter "ungünstigen Sehbedingungen" (verschiedener Art) erfolgen. Es muss also eine Mehrzahl, oft eine große Menge, ganz unterschiedlicher Wahrnehmungsphänomene erklärt werden, die sich auf Grund ein und desselben Reizmusters einstellen können.  Die ETVG kann sie alle erklären; keine sonstige Theorie kann es. Niemand versucht überhaupt eine Erklärung. Warum nicht? Weil alle weit davon entfernt sind, die aktualgenetischen Phänomene überhaupt zu kennen.  In Teil 1 wird eine große Zahl visueller Perzepte unterschiedlicher Herkunft vorgestellt, ebenso eine Anzahl von Verläufen des Entstehens und Vergehens visueller Perzepte, unter ihnen auch solche, die den Buchstaben "A" betreffen (Abb. 1-7). 

    Zurück zur Ontogenese der Perzepte! Anzunehmen ist, dass selbst die Bildung eines Gedächtnisinhalts mit Hilfe von Neuronen geschieht, solchen, die die Funktion haben, zwischen "Gestaltfunktion-Neuronen" eben diese Gedächtnis-Verbindungen herzustellen. Jedes visuelle Areal besteht aus mehreren Schichten. Vielleicht findet auf dem Wege von den Input-Schichten zu den Output-Schichten der theoretisch geforderte Lernprozess statt, wenn er als solcher auch noch nicht erkannt worden ist, ja, nicht einmal gesucht worden ist (weil niemand einen solchen Lernprozess für möglich hält). Auch zwischen Photorezeptoren und retinalen Ganglienzellen befinden sich Neurone, deren Funktion noch heute einigermaßen unbekannt ist: die Amakrinen, Horizontalzellen und Bipolarzellen. Sie verbinden eine Anzahl von Rezeptoren miteinander und könnten einen Lernprozess vermitteln, durch den eine neue Substufe der visuellen Informationsverarbeitung entsteht: nämlich der neuron-funktionale Gedächtnisinhalt / Gestaltfaktor "Pmdlt" in den retinalen Ganglienzellen. Hier jedenfalls - zwischen den Rezeptoren (mit den physischen Z-Funktionen) und den retinalen Ganglienzellen (mit der Klasse der psychischen P-Funktionen) - ist die Stelle, "Wo der Leib aufhört und die Seele anfängt", so der Titel der Schriftenreihe der 80er Jahre (KH 1992a). 

    Es gibt weitere wesentliche Übereinstimmungen zwischen ETVG-Theorie und neurophysiologischer Empirie. So konnte eine generelle Gesetzmäßigkeit festgestellt werden, nach der die speziellen rezeptiven Bezirke zunächst der oberen Gestaltfaktoren (vor allem Gml, Ll und Fl) gebildet werden (ETVG, 2-33 ff). Durch "symmetrische" Übertragung dieser für die rezeptiven Bezirke der oberen Gestaltfaktoren gefundenen Strukturgesetze  auf den untersten, das Helligkeits- und Farberleben vermittelnden, Gestaltfaktor P muss dessen rezeptiver Bezirk eine antagonistische center-surround-Struktur besitzen. Für den P-Faktor konnte sogar eine Besonderheit theoretisch abgeleitet werden: Der antagonistische Gestaltfaktor P ruft nicht wie die anderen Gestaltfaktoren eine bipolare Erlebensqualität hervor, sondern eine unipolare, diese aber auf antagonistischer Funktionsgrundlage. Genau diese in der ETVG (3-7 ff) für den rezeptiven Bezirk von P theoretisch abgeleitete phänomenal unipolare und doch funktional antagonistische center-surround-Stuktur wurde von den Neurophysiologen empirisch als die des rezeptiven Feldes der retinalen Ganglienzellen gefunden, die Helligkeits- und Farbwahrnehmung vermitteln. Auch die Strukturen anderer durch die Neurphysiologie gefundenen rezeptiven Felder visueller Einzelneurone wurden durch die ETVG erklärt.  

    Neurophysiologen studieren Neurone und ihre Verschaltungen. Es ist verständlich, dass sie meinen, wenn sie ein bestimmtes Neuron reizen und dadurch einen bestimmten subjektiven Eindruck verursachen, es sei das bestimmte Stück Materie, "Neuron" genannt, das diesen Eindruck verursache. In diesem Sinne könnten sie auch Tab.1 missverstehen, indem sie nämlich glauben, gerade diese Tabelle beweise, dass es die bestimmten Gehirnareale seien, die diese speziellen Wahrnehmungserlebnisse vermittelten, also beispielsweise V1 die "Inhomogenitäts/Homogenitäts"- und V2 die "Linie/Feld"-Erlebnisse. Sie könnten glauben, die in der mittleren Spalte aufgeführten sogenannten "Gestaltfunktionen" seien "eitel Blendwerk", das keinen Erkenntnisgewinn bringe, denn sie führten lediglich andere Namen für dasselbe Ding ein, nämlich "Gestaltfunktion" für "Gestaltphänomen", oder "Gestaltfunktion" für "Neuronfunktion". Fragt man sie, wie denn diese Neuronfunktionen zustande gekommen seien, die die so ungeheuer komplizierte visuelle Wahrnehmung ermögliche, dann können sie nur auf die biologische Evolution verweisen, die ja auch andere wundersame Dinge vollbracht habe; irgendeinen Beleg für die allmähliche und über Jahrmillionen peu-à-peu sich erstreckende Entwicklung der hochdifferenzierten menschlichen visuellen Gestalt- Wahrnehmung kann aber niemand erbringen. Da kann man fragen: Welche Veranlassung sollten wir für die Annahme haben, dass die Natur in Jahrmillionen durch Mutation und Auslese eine Leistung entwickelt, die sie - bei viel minderer physischer Ausstattung  - in jedem menschlichen Individuum auf die Schnelle in den ersten Lebenswochen und -monaten eines jeden Individuums fertigbringen kann: per "einfachen" Lernens? 

    Gewiss, Neurone, die die materialen Träger von Funktionen (Erregungen) sind, die ein spezifisches Wahrnehmungserleben bedingen, befinden sich in einem bestimmten Gehirnareal, aber das heißt nicht zugleich auch, dass es sich um spezifische Neurone handelt, d.h. um solche, die sich in spezifischer Weise von denen unterscheiden, die ein anderes Wahrnehmungserleben hervorrufen. Es könnte zwar so sein, aber es muss nicht so sein. Es ist sogar ganz unwahrscheinlich, dass es so ist. Denn alle Neurone sind von gleicher Grundstruktur, egal wo sie sich befinden; alle haben einen Zellkörper, eine Menge Dendriten und ein Axon. Es genügt die Annahme, die biologische Evolution habe eine Menge derartig strukturierter und "funktionierender", d.h. erregbarer, ihre Erregungen weiterleitender und sich die am häufigsten vorkommenden Erregungskoinzidenzen einprägender, Materie-Einheiten im Gehirn versammelt und diese vorsorglich schon mal - ganz unspezifisch - divergierend und konvergierend miteinander verschaltet. In diesem Falle würde eine solche funktional ganz unspezifische  Einheit  diejenige  spezifische  Funktion  erhalten, die  ihm  durch  seine Position innerhalb des Nervennetzes durch seine vorgeschalteten Neurone zufällt. Die Neurophysiologen kennen sogar die potentielle Plastizität des visuellen Nervensystems, d.h. die Möglichkeit, seine Wahrnehmungsfunktionen auf Grund von Lernprozessen zu ändern. Aber auf die Idee, Lernprozesse würden im vísuellen System einen wesentlichen Teil von nervösen Verschaltungen herbeiführen, sind sie wohl noch nicht gekommen. Das mag daher rühren, dass sie für ihre Untersuchungen an Affen und Katzen (die ein dem Menschen ähnliches visuelles System besitzen) vorwiegend erwachsene Tiere verwenden. Sobald sie nämlich an jungen Tieren experimentell forschen, indem sie von deren Geburt an verhindern, dass sich die "natürliche" Umwelt auf ihrer Retina abbildet, und sie statt dessen in eine künstliche Umwelt  hineinstellen, sind von Geburt an Lernprozesse feststellbar. Die eine Gruppe von Jungtieren etwa wird mit einer Umwelt versehen, die nur aus vertikalen und eine andere Gruppe mit einer Umwelt, die nur aus horizontalen Stäben besteht. Dann "erlernen" die Jungtiere diese vorgegebene "künstliche" Umwelt (Cynader and Chernenko 1976). Diese Ergebnisse entsprechen genau der Grundannahme der ETVG, nach der die Beziehungen zwischen den Teilen der Umweltdinge (genauer: des Retinabildes als der optischen Projektion der Umweltdinge) eingeprägt werden. Auf der Annahme des verhaltensrelevanten Einprägens der Beziehungen und Beziehungs- Beziehungen zwischen den Retinareizen (bzw. den Augenmuskel-Innervationen im Falle der Orientierungs- und Formwahrnehmung, s. Kap. II) beruht in der ETVG die Ableitung der gesamten 10-stufigen Hierarchie mit ihren 25 visuellen Gestaltfaktoren.

    4. Visuelle Gestaltgesetze

    Im ETVG-Buch (Part 8, 9,11) wird gezeigt, dass zumindest alle 17 Gestaltfaktoren der unteren fünf Stufen miteinander und mit der Aufmerksamkeitszuwendung wechselwirken, woraus sich 18x18= 324 "Gestaltgesetze" in einer formalisierten Sprache ergeben, mit denen eine Unmenge von Laboratoriums- Ergebnissen erklärt werden kann. (Die "Berliner Gestaltpsychologen" kannten 7 "Gestaltgesetze", die jedoch nur alltagssprachlich formuliert und mit Hinweisen auf entsprechende Phänomene versehen wurden.) Diese Wechselwirkungen sind einfach zu erklären; denn alle diese 17 Gestaltfaktoren sind Gedächtnisinhalte, die sich aus der Einprägung ein und deselben Beziehungssystems, ergeben, des Retinabildes. Folglich sind sie alle assoziativ miteinander verknüpft, derart, dass die Aktivierung des einen Faktors die - zumindest geringfügige - Aktivierung aller anderen Faktoren zur Folge hat. Wenn die Stärke der Aktivierung eine für den Gestaltfaktor X spezifische Aktualisierungsschwelle überschreitet, dann erfolgt die tatsächliche Aktualisierung dieses Gestaltfaktors, d.h. die Produktion "seiner" Gestaltqualität X'. Andernfalls bleibt es bei der unterschwelligen Aktivierung, die jedoch bei Zusatz-Aktivierung durch andere Gestaltfaktoren (mit denen Faktor X wechselwirkt) oder auch durch vermehrte Zuwendung von Aufmerksamkeit auf das Reizobjekt überschwellig werden kann.

    Auf (genau definierbaren und in der ETVG auch tatsächlich definierten) Gestaltgesetzen beruhen viele "Illusionen", von denen einige nach ihren Entdeckern benannt worden sind: z.B. Delboef, Ebbinghaus, Baldwin, Oppel-Kundt und Müller-Lyer. Bei den soeben genannten Gestaltgesetzen geht es um Größen, Längen- oder Abstands-Täuschungen, d.h. um von anderen Faktoren oder gar vom selben Faktor Dl, aber von einem anderen "Gestaltort" ausgehende Wirkungen auf den Dl-Faktor. (Andere Autoren haben sich "Variationen" ausgedacht, die freilich oft genug nach ganz anderen Gestaltgesetzen zu erklären sind, in diesem Falle also keine "echten" Variationen darstellen). Am "Koffka-Ring" und am "Herrmann-Gitter" machen sich Wirkungen auf den Faktor Dm bemerkbar, nämlich kontrastive oder assimilative Abweichung von der gemäß Leuchtdichte bzw. Wellenlänge des Lichts zu erwartenden Helligkeit bzw. Farbe. Weitere empirische Versuchsergebnisse wurden auf Grund der Annahmen der ETVG über die Hierarchie der Gestaltfaktoren, ihre Aktualisierung und Deaktualisierung im Verein mit Wechselwirkungen erklärt, so u.a. "subjektive" Konturen und Felder (Kanizsa; Ehrenstein), "abutting grating illusion" (Soriano, Spillmann und Bach). Die meisten Labor-Versuchergebnisse werden nicht als "Illusionen" bezeichnet, folgen dennoch genau den gleichen Gestaltgesetzen wie jene, so z.B. die Ergebnisse über "detection threshold" (Dresp), "figural after effects" (Köhler), "Ähnlichkeit" (Goldmeier), "Diskriminierung" (Julesz), "search asymmetry" (Treisman).

    Bei der Anwendung eines Gestaltgesetzes zur Erklärung einer Tatsache muss stets genau festgestellt werden, an welchem Gestaltort bei einem Experiment eine funktionale Änderung vorgenommen worden ist, und an welchem Gestaltort eine phänomenale Änderung beobachtet worden ist. "Gestaltorte" sind vor allem einerseits die "Figur" und andererseits ihr "Umfeld" (aber auch schon "Linie" und "Feld" eine Substufe darunter); beide Paarlinge wirken antagonistisch. Da die bisherigen Wahrnehmungstheorien weder die phänomenale Polarität von Figur und Umfeld noch ihren funktionalen Antagonismus kennen, waren und sind sie auch nicht in der Lage, visuelle Wahrnehmungsphänomene funktional zu erklären. Aber dies ist nur einer der Gründe, warum die bisherigen Theorieversuche gescheitert sind.

    Aus: Lothar Kleine-Horst (2004): Der Anfang des nach-naturwissenschaftlichen Zeitalters.
    Gedanken und Experimente jenseits der Lehrmeinungen. Köln: Enane. (Teil 2, Kapitel I.)

    Zu Kap II: Die Quantitäts-, Orientierungs- und Formfaktoren

    Inhaltsverzeichnis

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