Drei Lücken im Wirklichkeitsbild der Philosophie des Geistes
von Lothar Kleine-Horst (Köln)
Vorbemerkungen
Während der Entwicklung einer psychologischen Theorie der visuellen Wahrnehmung bin ich auf philosophische Fragestellungen gestoßen und habe versucht, mich in die Probleme der "Philosophie des Geistes", insbesondere in das so genannte "Leib-Seele-" bzw. "Körper-Geist"-Problem, einzuarbeiten. Was ich da zu lesen bekam und bekomme, erstaunt mich allerdings immer wieder: einerseits hochabstrakte Abhandlungen, denen ich als Nicht-Philosoph oft nicht folgen kann, andererseits im Hintergrund ein Wirklichkeitsbild von solcher Schlichtheit, dass ich beides nur schwer in Einklang bringen kann.
Nun heißt es bei Bieri (1993) über die Wendung der Analytischen Philosophie des Geistes zum wissenschaftlichen Realismus, dieser sei die These, "daß es nicht die Philosophie, sondern die empirische Wissenschaft ist, die uns zu sagen hat, was die Natur oder das Wesen der Dinge ist" (S.17). Und: "Im wissenschaftlichen Realismus...sind ontologische Fragen Fragen, die nach den Gesichtspunkten empirischer Theorienbildung zu beantworten sind. Wenn wir wissen wollen, was es gibt oder was wirklich ist, so müssen wir nachsehen, worüber die jeweils besten empirischen Theorien reden...In ontologischen Fragen ist die Wissenschaft das Maß aller Dinge." (S.22) Gibt es solche empirischen Theorien und auf welchem Gebiet sind sie am ehesten anzutreffen?
Wahrnehmung vollzieht sich in "Leib und Seele", denn materielle Prozesse führen ab Reizung der Sinnesrezeptoren über das Gehirn "irgendwie" zu bewusstem, subjektivem und dazu meist hochkomplexem Erleben. Visuelle Wahrnehmung ist zudem die am besten erforschte Leistungsfähigkeit des Menschen. Will man etwas über die Beziehung zwischen Leib (Körper) und Seele (Geist), zwischen Materie und Bewusstsein erfahren, dann könnte dies am ehesten über eine differenzierte und erklärungsträchtige Theorie der visuellen Wahrnehmung geschehen. Allein, die Wahrnehmungswissenschaft des mainstream hat trotz ungeheurer Bemühungen eine solche Theorie bisher nicht vorlegen können. Der für seine Forschungen auf diesem Gebiet mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Neurobiologe David Hubel (1995, S.228) gesteht ein, nicht einmal zu wissen, wie die Wahrnehmung des Buchstabens A oder eines einfachen Kreises zustande kommt. So ermutigen mich jene Äußerungen von Bieri, hier auf meine Theorien aufmerksam zu machen und sie mit Grundannahmen der heutigen Philosophie des Geistes zu vergleichen. Diese Theorien sind die "Empiristische Theorie der visuellen Gestaltwahrnehmung" (ETVG) (Kleine-Horst 1992, 2001) und das "Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit" (AWM) (Kleine-Horst 2004, Teil 3), das aus jener Wahrnehmungstheorie hervorgegangen ist.
Da diese Theorien auch per einfachem Mausklick zur Verfügung stehen, setze ich ihre Kenntnis voraus, so dass ich im Folgenden nur Erinnerungshinweise auf relevante Beziehungen zu geben brauche. Wenn - wie in diesem Fall - sehr unterschiedliche Konzepte miteinander verglichen werden, gibt es meistens Sprachprobleme. Ich werde gelegentlich "Übersetzungshilfen" geben, soweit ich die philosophische Fachsprache kenne und verstehe, werde aber ansonsten - um Begriffsverwirrung möglichst zu vermeiden - meistens die eigenen Begriffe verwenden. Für die philosophischen Fachleser wird die Übersetzung meiner Fremdsprache in ihre Muttersprache im übrigen leichter sein als für mich die Übersetzung meiner Muttersprache in ihre Fremdsprache.
1. Der Dualismus in der heutigen Philosophie des Geistes
Der Substanz-Dualismus des Descartes scheint heute in der Philosophie des Geistes wohl im Wesentlichen überwunden zu sein, aber nun haben wir den Eigenschafts-Dualismus. Es wird durchgängig die Auffassung vertreten, es gebe zwei und nur zwei voneinander klar unterscheidbare Klassen von Phänomenen, Eigenschaften oder Zuständen: "physische" und "mentale". Diesen "ontologischen Dualismus" beschreibt Bieri (1993, S.3f) so: "Jedes Phänomen ist entweder mental oder physisch". "Es gibt keine Übergänge und keine Abstufungen oder graduellen Unterschiede." Dadurch ergibt sich "das Bild einer Unterteilung der Wirklichkeit in zwei Arten von Phänomenen." Diese Unterscheidung "hat sich als Prinzip einer ganz bestimmten Theorie über die Wirklichkeit entpuppt, die nur ausformuliert zu werden braucht."
"Physisch" (P) sind etwa folgende Eigenschaften, Zustände, Ereignisse:
"Mental" (M) sind
Den jeweils zwei "inoffiziellen" Unterklassen wird von der Philosophie des Geistes keine ontologische Bedeutung beigemessen. In der Diskussion werden sie dennoch als relevant akzeptiert. Das gilt vor allem für das Mentale, in dem das "Phänomenale Bewusstsein" und das "Intentionale Bewusstsein" unterschieden werden. Auch im Physischen sieht man durchaus einen Unterschied zwischen einer elektrischen Entladung beim Gewitter und neuronalen Aktíonspotentialänderungen; letztere werden als Ursachen für mentale Prozesse angesehen.
Viele Philosophen versuchen um der Einheit der Wirklichkeit willen, den Dualismus zu überwinden - in Richtung auf einen Monismus, der sich besonders deutlich im reduktiven Physikalismus ausdrückt. Aber könnte es nicht sein, dass es noch ein Drittes, Viertes, Fünftes gibt, an das noch niemand gedacht hat, so dass die Einheit sich erst als eine Ganzheit dieser 3, 4, 5 Entitäten oder Phänomenklassen darstellt? Logisch ausschließen kann man weitere Klassen nicht. Es könnte ja sein, dass es etwas gibt, zu dem wir nur nicht den Erkenntniszugang haben, den wir zu all den Phänomenen (Eigenschaften, Zuständen) haben, die entweder dem "Physischen" oder dem "Mentalen" zugeordnet werden. Denn welchen Zugang haben wir zu diesen in der Literatur genannten Phänomenen? Entweder wissen wir von ihnen durch unser Phänomenales Bewusstsein, d.h. vor allem durch unsere Wahrnehmungen, die uns Kunde von der physischen, materiellen, Welt geben. Oder wir wissen von ihnen durch unser Intentionales Bewusstsein, das uns Kunde wiederum von der Existenz nicht nur des Phänomenalen Bewusstseins und seinen Inhalten gibt, sondern auch von der Existenz des Intentionalen Bewusstseins selbst und seinen Inhalten.
.Wie dem auch sei: Antworten auf diese Fragen sind nicht ohne weiteres zu erhalten. Vielleicht helfen neue empirische Theorien, so dass die Philosophie
"die Beziehungen sichtbar machen (kann), die zwischen neuen empirischen Theorien auf der einen Seite und unseren alten mentalistischen Beschreibungen und Erklärungen von Personen auf der anderen Seite bestehen." (Bieri 1993, S.25).
Vielleicht auch hat Nagel Recht; wenn er im letzten Satz der letzten Anmerkung zu seinem berühmten Fledermaus-Aufsatz sagt: ihm erscheine es wahrscheinlich(er),
"daß Mental/Physisch-Relationen schließlich in einer Theorie ausgedrückt werden, deren fundamentale Begriffe keiner dieser beiden Kategorien eindeutig zugeordnet werden können" (Nagel 1984, S.199).
Und Searle (1987, S. 337) vermutet in seinem zweitletzten Satz:
"Der Unterschied wird so groß sein, wie der zwischen den Prinzipien der Quantenmechanik und denen der Newtonschen Mechanik."
Eine solche Theorie, die den Erwartungen sowohl von Bieri als auch von Nagel und Searle gerecht werden könnte, soll im Folgenden vorgestellt werden.
2. Die Auflösung des ontologischen Dualismus im Quadrialismus
Auf der Grundlage der Empiristischen Theorie der visuellen Gestaltwahrnehmung (ETVG) wurde durch Anwendung von bereits in dieser gefundenen Symmetrien sowie durch Einbau weiterer Fakten das "Quadrialistische Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit" (AWM) entwickelt, dessen Schema zur Erinnerung in Abb. 1 wiedergegeben ist.

Abb. 1. Schema des Vier-Stufen-vier-Seinsweisen-Modells der Wirklichkeit (Quadrialistisches Acht-Welten-Modell - AWM). (Aus Kleine-Horst 2004, S. 3-16)
Nach dem AWM ist die Wirklichkeit, d.h."Alles was ist", "vertikal" in vier Evolutionsstufen untergliedert, die den vier evolutionistisch interpretierten Schichten im "Aufbau der realen Welt" von Nicolai Hartmann (1964) entsprechen: seinen übereinander liegenden Schichten des Anorganischen, Organischen, Seelischen und Geistigen, die er auf Aristoteles zurückführen konnte (Hartmann 1943). Hartmann kannte ferner zwei Seinsweisen, Realität und Idealität. Letztere entspricht im AWM der ordinalen Seinsweise. Aus Hartmanns einziger realer Seinsweise (Sw) wurden im AWM jedoch deren drei: die materiale Sw ("Materie"), die phänomenale Sw ("Bewusstsein") und die "zwischen" ihnen liegende funktionale Sw. Diese vier Swn untergliedern nach dem AWM die Wirklichkeit "horizontal". Der vier Swn wegen wird das AWM als "quadrialistisch" bezeichnet. Die vier Evolutionsstufen und vier Seinsweisen stehen im Schema "senkrecht" aufeinander; damit wird zugleich ihre logische Unabhängigkeit voneinander ausgedrückt. Ontologisch bilden sie insgesamt acht "Schnittstellen", "Welten" genannt. Das AWM ist hochsymmetrisch: Jede Evolutionsstufe umfasst zwei Swn, und jede Sw umfasst zwei Evolutionsstufen. Ferner sind es stets die Gegebenheiten der "Linkswelten" einer Evolutionsstufe, die den Verlauf der Evolution repräsentieren, während die Gegebenheiten der "Rechtswelten" deren abhängigen Korrelate sind.
Die ETVG beschreibt die ontogenetische Entwicklung der visuellen Wahrnehmung wie folgt (In Klammern stehen jeweils die Symbole für die Welten, in denen ein Vorgang abläuft, oder zu denen eine Gegebenheit gehört.): Von den Umweltobjekten ausgehende Photonen (UCM) treffen auf die Photorezeptoren (VM) und lösen deren Erregungen (VF) aus. Diese führen noch nicht zu einem (subjektiven, bewussten) Wahrnehmungserlebnis (PC), denn auf der physischen Evolutionsstufe gibt es noch keine phänomenale Sw, die allein durch Bewusstsein gekennzeichnet ist; auf dieser Stufe laufen nur genetisch bedingte Prozesse ab. In seinen ersten Lebenswochen prägt sich der Mensch in unbewussten Lernvorgängen die am häufigsten vorkommenden Beziehungen und Beziehungsbeziehungen zwischen den Rezeptor-Erregungen ein. Die so entstandenen Gedächtnisinhalte, "Gestaltfaktoren" genannt, sind Inhalte einer neuen, höheren, Welt der Psychischen Funktionen (PF), mit der eine neue, die psychische, Evolutionsstufe beginnt. Die ersten 17 Gestaltfaktoren bilden eine 5-stufige Hierarchie, mit der ein "Objekt in seiner Umgebung" als eine "Figur in ihrem Umfeld" erlebt werden kann. Dieses Figur/Umwelt-Erleben findet in der Welt der Psychischen Bewusstseine (PC) statt, wenn jene PF-Hierarchie durch nachfolgende Sinnesreize, die in gleichen oder ähnlichen Beziehungen stehen, überschwellig "aktualisiert" wird. Jeder spezifische Gestaltfaktor (PF) erzeugt dabei "seine" spezifische "Gestaltqualität" (PC). Weitere 5 Hierarchiestufen entstehen durch Einprägung der am häufigsten vorkommenden Beziehungen und Beziehungsbeziehungen zwischen den Augenmuskel- Innervationen während des Wanderns des Blicks von Figur zu Figur. Die 10-stufige Hierarchie der insgesamt 25 Gestaltfaktoren ist die visuelle Grundhierarchie; sie kann mehrfach und verschachtelt aktualisiert werden, sowohl als Ganze als auch in Teilen; hierdurch ist die ungeheure Komplexität der visuellen Wahrnehmung möglich. Ontogenetisch entsteht die visuelle Hierarchie nur einmal im Leben - in den ersten Wochen und Monaten des Babys. Einmal gebildet, wird sie bei geöffneten Augen durch Umweltreize laufend aktualisiert, was in der Regel sehr schnell und unbewusst geschieht; bewusst (erlebt) wird in diesen Fällen nur das Ergebnis, das Perzept. Unter besonderen Umständen, z.B. unter bestimmten experimentellen Bedingungen, erfolgt die Aktualisierung peu-à-peu, so dass eine stufenweise Differenzierung der Umweltdinge erlebt wird ("visuelle Aktualgenese").
Diese fünf "Welten" (UCM bis PC) ergaben sich bereits aus der Analyse der visuellen Wahrnehmung und führten zur Entwicklung der ETVG. Die drei weiteren Welten des Acht-Welten-Modells wurden aus Symmetriegründen "gefordert", fanden sich aber auch schnell in der Wirklichkeit. So mussten die physikalischen, "anorganischen", Materien (UCM) aus Symmetriegründen als abhängige Korrelate der Gegebenheiten einer sie bedingenden Linkswelt gelten, die sich leicht als das physikalische "Vakuum" (UCO) identifizieren ließ. Symmetriegründe erforderten - wenngleich nicht notwendigerweise - oberhalb der Welt PC eine weitere Evolutionsstufe, denn es gibt außer den bewussten Gestaltqualitäten (PC) weitere bewusste Zustände, die wir als "geistige" Tätigkeiten erleben und auffassen, und zu denen z.B. das "Denken" gehört. Für sie musste der dritten Evolutionsstufe eine vierte angefügt werden, und zwar zunächst in Form einer Linkswelt der "Mentalen Bewusstseine" (MC) bzw. der "Individual- Kosmischen Bewusstseine" (ICC). Allerdings ist Denken etwas ganz anderes als der Gedanke, der aus dem Denken entsteht. Die Gedanken werden daher der mit der Linkswelt korrelierten Rechtswelt der "Mentalen Ordnungen" (MO) bzw der "Individual- Kosmischen Ordnungen" (ICO) zugeschrieben.
3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Wirklichkeitsbildern der Philosophie des Geistes und des Acht-Welten-Modells
Die Anzahl unterschiedener Gegebenheitsklassen
In der Philosophie des Geistes (PhG) werden zwei und nur zwei Klassen von Eigenschaften oder Zuständen unterschieden: die physischen (P) und die mentalen (M). Im Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit (AWM) werden acht Klassen ("Welten") von Gegebenheiten unterschieden. Angenommen, "alles was ist" wäre tatsächlich auf diese zwei bzw. acht Klassen aufgeteilt, dann würde sich das AWM bereits als das weitaus differenziertere Modell der Wirklichkeit herausstellen. Denn im 2-Welten-Modell der PhG gibt es nur 2 mögliche Wirkungen zwischen P und M: eine von P nach M und eine von M nach P. Wenn man einmal annimmt, das Physische der PhG entspräche der 1. und 2. und das Mentale der 3. und 4. Evolutionsstufe des AWM, dann würde es im AWM 32 logisch mögliche Wirkungen zwischen einer der 4 P- und einer der 4 M-"Welten" geben.
Ist die Klassifizierung der Gegebenheiten vollständig?
Gemeinsam ist den Auffassungen von PhG und AWM die Behauptung, "alles was ist" könne vollständig den von ihnen jeweils vorgesehenen Klassen zugeordnet werden. Unterschiedlich sind die zugeordneten Gegebenheiten (Eigenschaften) selbst. So lassen sich zwar alle in der PhG dem Physischen und dem Mentalen zugerechneten Gegebenheiten auch in den Welten des AWM wiederfinden. Aber nicht alle in den AWM-Welten zu findenden Gegebenheiten gibt es auch in der PhG. Wenigstens zwei AWM-Klassen sind in der PhG unbekannt oder werden nicht beachtet; es sind dies die Welt der Psychischen Funktionen (PF) und die Welt der Universal-Kosmischen Ordnungen (UCO).
Die Welt der Psychischen Funktionen (PF)
Es scheint nur ein einziger Philosoph und Psychologe gewesen zu sein, Felix Krueger, der Begründer der "Genetischen Ganzheitspsychologie" (der Leipziger Schule der Gestaltpsychologie), der auf die Idee kam, als Bedingung des nicht-materiellen Bewusstseins eine ebenfalls nicht-materielle Entität anzunehmen; er nannte sie "Transphänomenales seelisches Sein" (Wellek 1953). Genau dieser Ausdruck ist eine zutreffende Bezeichnung für diejenige Entität, die im AWM die Welt der "Psychischen Funktionen" (PF) genannt wird. Diese Funktionen sind nicht Körperfunktionen (VF); sie gehören vielmehr einer höheren, der psychischen, Evolutionssstufe an und sind unmittelbare, selbst aber nicht-erlebte, Bedingungen des Erlebens, der "Psychischen Bewusstseine" (PC), oder in der Sprache des PhG: der "Qualia", des "phänomenalen Bewusstseins". Krueger hat seine Idee nicht weiter verfolgt; er hatte sie zudem auf Gefühle bezogen, nicht auf Wahrnehmungserleben. Der Mitbegründer der Leipziger Gestaltpsychologie, Friedrich Sander, ließ von 1925 bis 1940 zwar experimentell visuelle Aktualgenesen untersuchen, aber weder er noch Krueger kam auf die Idee, die Reihe der zeitlich nacheinander auftauchenden visuellen Qualitäten als durch eine Reihe oder gar Hierarchie transphänomenaler seelischer Entitäten bedingt anzusehen. Das geschah erst in der ETVG, und deren Anfänge beruhen auf der Auswertung der ersten veröffentlichten visuellen Aktualgenese (Sander 1962, S. 101). Die internationale Wahrnehmungswissenschaft weigert sich seit 1940 beharrlich, die aktualgenetische Entstehung des Wahrnehmungserlebens weiter zu erforschen.
So ist die Welt der Psychischen Funktionen (PF) im mainstream sowohl der Psychologie als auch der Philosophie völlig unbekannt, nicht nur als eine von den anderen Welten unterscheidbare Welt, es sind auch ihre Inhalte unbekannt, nämlich die nicht-materiellen Bedingungen der Qualia. Da in der PhG weder die Welt PF noch die Welt VF als eine relativ eigenständige Welt bekannt ist, ist es die gesamte funktionale Seinsweise, die als eigenständige Entität unbekannt ist. Des Fehlens dieser Seinsweise wegen beruht die PhG auf einem falschen, weil lückenhaften, Wirklichkeitsbild und somit auf falschen Grundannahmen über die Struktur der Wirklichkeit. So ist verständlich, dass es in der PhG trotz einer ständig wachsenden Zahl einschlägiger Publikationen und Interpretationsversuche nicht zu weithin akzeptierten Lösungen der anstehenden Probleme gekommen ist, sofern es Lösungen überhaupt geben kann. Vielleicht ermöglicht das völlig andere Wirklichkeitsbild des AWM, in das die bisher übersehene Welt der Psychischen Funktionen (PF) integriert ist, akzeptablere Lösungsvorschläge.
Die Welt der Universal-Kosmischen Ordnung (UCO)
Angenommen, die PhG wäre bereit, statt ihrer zwei Eigenschaftsklassen unter Aufwertung der je zwei Unterklassen vier (Haupt)Klassen zu akzeptieren und diese mit Hilfe einer weiteren Annahme als "vertikale" Untergliederung der Wirklichkeit anzusehen, dann würde sie den ersten Schritt zur endgültigen Überwindung des cartesianischen Dualismus tun und sich einreihen in die Jahrtausende alte Tradition des Schichtungsgedankens. Die vier Welten würden sich dann aufeinander aufbauen wie bei Aristoteles, bei N.Hartmann und im AWM. Die Probleme würden dann nicht sofort geringer werden, aber sie würden sich differenzierter präsentieren und differenziertere Angriffsflächen und damit vielleicht auch differenziertere Lösungsmöglichkeiten bieten. Als Beispiel sei das von J. Kim (1998, S. 12) formulierte "Anti-cartesianische Prinzip" genannt. Es lautet in der von Gadenne (2004, S. 41) korrigierten Übersetzung:
"Nichts kann eine mentale Eigenschaft haben, ohne irgendeine physische Eigenschaft zu haben und somit ein physisches Ding zu sein."
Für das AWM ist dieses Prinzip sozusagen "selbstverständlich"; denn es ergibt sich aus dem ins AWM übernommenen Stufenbau der Wirklichkeit N.Hartmanns. Nach Hartmann "trägt" die je niedrigere Schicht (Stufe) die auf ihr aufbauende höhere Schicht. Da die PhG nur zwei Klassen (von Entitäten, Eigenschaften, Zuständen) annimmt, kann es für sie nur ein einziges Prinzip geben, das eine Aussage über das Abhängigkeits-Verhältnis der beiden Klassen (Stufen) zueinander macht. Während die PhG sich als im Gegensatz zu Descartes befindlich versteht, findet sich Hartmann in Übereinstimmung mit Aristoteles. So gibt es bei Hartmann bereits drei Prinzipien anstelle des einen anti-cartesianischen Prinzips. Sie lauten etwa so:
1. Nichts kann organische, d.h. Lebens-, Eigenschaften haben, das nicht aus (anorganischen ) Molekülen besteht,
2. Nichts kann seelische und damit Bewusstseins-Eigenschaften haben, das nicht Lebenseigenschaften hat.
3. Nichts kann geistige Eigenschaften haben, das nicht ein bewusstes Lebewesen ist.
Das AWM hat das Vier-Stufen-Modell Hartmanns übernommen, das zugleich ein Zwei-Seinsweisen-Modell ist, und es zu einem Vier-Stufen-Vier-Seinsweisen-Modell und damit zu einem Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit weiterentwickelt. In ihm findet sich das ein-fache anti-cartesianische Prinzip als sieben-faches Prinzip wieder:
1. Nichts (weder Teilchen, Atome, Moleküle, noch Zeit, Raum und Energie = UCM) kann existieren ohne durch Wirkung der Naturgesetze (UCO).
2. Es gibt nur Körpermaterie (VM), die aus UCO und UCM gemacht ist.
3. Es gibt keine Lebensfunktionen (VF), die nicht Funktionen von Körpermaterie (UCO bis VM) sind. (Es gibt allerdings Körper ohne Lebensfunktionen; sie sind "tot")
4. Es gibt keine Psychischen Funktionen (PF = implizite Gedächtnisinhalte), die nicht solche von lebenden Lebewesen (UCO-VF) wären.
5. Bewusst erleben (empfinden, wahrnehmen, fühlen = PC) können nur Lebewesen mit implizit erworbenem Wahrnehmungsprogramm (UCO-PF). (Es gibt allerdings auch Situationen, in denen solche Lebewesen nichts bewusst erleben: z. B. wenn sie schlafen).
6. Denken (u.a.) (MC/ICC) können nur Lebewesen, die bewusst erleben (UCO-PC).
7. Alle Theorien, Wertesysteme, Rechtsordnungen (MO/ICO) stammen von denkenden Lebewesen (UCO-MC/ICC).
Man sieht, die Dinge, auf die sich die Aussagen des AWM über die "Eigenschaften" beziehen, sind immer "Dinge mit UCO", denn schon UCM existiert nur zusammen mit "ihrer" UCO, und somit existiert alles, was auf der UCM aufbaut, ebenfalls nur zusammen mit UCO. Nun gibt es ja dieses Vakuum (UCO), ohne das die Physiker in ihren Quantentheorien nicht auskommen. Obwohl die Physiker die Materie (UCM) erforschen, haben sie, das ist ihnen hoch anzurechnen, jene völlig andere Welt entdeckt, jene nicht-materielle Welt (UCO). Sie haben zwar keinen unmittelbaren Zugang zu dieser Welt, denn weil sie mit Dingen aus Materie (Apparaten, Energien) experimentieren, finden sie unmittelbar immer nur wieder Materie. Aber mittelbar, nämlich mittels Denkens, haben sie erkennen können, dass es jenseits der Materie wohl noch eine Welt gibt, die die Welt der Materie erzeugt und selbst nicht-materiell ist, so dass man sie experimentell (mit materiellen Dingen) nicht erforschen kann. Sie nannten diese Welt das "Vakuum", und den Vorgang der Ersterzeugung der Materie den "Urknall", und sie mussten auch erkennen, dass noch heute Materie (als "Teilchen") laufend aus dem Vakuum entsteht und ebenso im Vakuum verschwindet. Die Physiker (und mit ihnen die Biologen) haben viele Naturgesetze entdeckt, aber sind sie sich eigentlich darüber im Klaren, dass diese abstrakten Naturgesetze der Materie keineswegs dem Bereich (der Seinsweise) der sehr konkreten Materie zuzurechnen sind, sondern ebenfalls jenem transmaterialen, aber die Materie bedingenden, Bereich des "Vakuums", der Universal-Kosmischen Ordnung (UCO) ?
In der traditionellen PhG wird das Vakuum jedoch nicht als Eigenschaft oder Zustand aufgelistet. Welcher Klasse sollte es auch zugeordnet werden? Dem Physischen, Materiellen? Nein, denn es ist nicht materiell. Dem Mentalen, Bewussten oder Bewusstseinsfähigen? Nein, es ist auch nicht bewusst oder bewusstseinsfähig. Damit erweist sich ein zweites Mal das Wirklichkeitsbild der PhG als falsch, weil eine große Lücke enthaltend. Daraus ergibt sich für alle Physikalismen und Materialismen, ob reduktiv oder nicht-reduktiv, dass sie ebenso falsch sind. Denn geht man die Reihe der Phänomene, Eigenschaften, Zustände der Wirklichkeit vom Mentalen immer weiter "hinunter", so hört die Reihe nicht mit der Materie auf, sie geht weiter, über sie hinaus, ins "Nichts", ins Vakuum, dorthin wo es keine Materie gibt. Damit löst sich zumindest der reduktive Physikalismus/ Materialismus wortwörtlich "in nichts" auf. Im AWM ist das so genannte "Vakuum" dagegen als Universal-Kosmische Ordnung (UCO) integrierter Bestandteil der Wirklichkeit, ja, sogar die Grundlage von "Allem was ist".
Im übrigen: das oben abgehandelte (und in der PhG als "anti-cartesianisch" bezeichnete) Prinzip gilt für jede Hierarchie. Eine höhere Hierarchiestufe kann erst entstehen, wenn die niederen Stufen, auf denen sie aufbaut, vorhanden sind. Nach diesem Prinzip sind in der ETVG auch die 10 Hierarchiestufen der visuellen Grundhierarchie aufgebaut. Dieses Prinzip gilt auch für die Aktualisierung der Hierarchiestufen: Die höheren können erst aktualisiert werden, nachdem die niederen, auf denen sie aufbauen, aktualisiert worden sind (Kleine-Horst 1992, 2001, 2004).
Die Welt der Körperfunktionen (VF)
Die Biologen befassen sich mit "höherer" Materieart, solcher, die "Funktionen" besitzt: Körperfunktionen oder Lebensfunktionen. Sie haben diese Funktionen allerdings nicht einem gesonderten, vom Bereich der Materie wesensverschiedenen, Bereich zugeordnet, der vom AWM als "funktionale Seinsweise" bezeichnet wird. Warum sollten sie auch? Spezifische Körperfunktionen (VF) ergeben sich selbst im Sinne des AWM als abhängige Korrelate fest verknüpft mit spezifischen Körpermaterien (VM) und ergeben sich stets bei allen "materiellen" Experimenten, man hat, so scheint es den Biologen, ebenso unmittelbaren Zugang zu ihnen wie zu den Körpermaterien selbst. So ordnen sie die Materie-Funktionen einfach der Körpermaterie (der materialen Seinsweise) selbst zu - als ebenso materiell wie diese. Die funktionale Seinsweise als Ganze, d.h. als eine sowohl physische als auch psychische Entität, kann nur entdecken, wer über die Materie hinaus "sieht" und denkt.
Die Welt der Individual-Kosmischen Ordnungen (MO/ICO)
Inwieweit die Inhalte der Welt der Geistigen Ordnungen (MO/ICO) in der PhG berücksichtigt werden, will ich hier ungeprüft lassen. Wenn es der Fall ist, dann müssten sie der Welt MC/ICC) zugeschlagen werden und fielen somit "automatisch" in die Klasse des Mentalen. Als eine weitere Klasse neben dem Physischen und Mentalen und gleichwertig mit ihnen werden sie jedenfalls nicht gehandelt. Nun befinden sich nach dem AWM sowohl UCO als auch ICO in derselben Seinsweise, sind einander also insofern "ähnlich". Es ist hochinteressant, dass die Physiker gewisse Beziehungen erkannt haben, die auf dieser "Wesensgleichheit" der Welten der ordinalen Seinsweise beruhen dürften. Denn sie sahen eine theoretische Beziehung zwischen den Vorgängen in deren Nachbarwelten, d.h. in Vorgängen der UCM (die mit der UCO korreliert ist) und den Vorgängen des menschlichen Bewusstseins MC/ICC (das mit der ICO korreliert ist); das jedenfalls scheinen bestimmte Gedankenexperimente von ihnen zu zeigen. Auch der Physiker Geoffrey Chew denkt an eine engere Einbindung des Bewusstseins in ein stimmiges Wirklichkeitsbild. Capra (1984. S. 301) ziert ihn wie folgt:
"Wenn man sie logisch zu Ende denkt, impliziert die Bootstrap-Hypothese, daß die Existenz des Bewußtseins zusammen mit allen anderen Aspekten der Natur nötig ist für die Stimmigkeit des Ganzen."
Auch große Visionäre vor Jahrhunderten und Jahrtausenden "sahen" die Universal-Kosmische Ordnung und ihre große Bedeutung für das menschliche Bewusstsein. In der westlichen Philosophie hieß die UCO das "Absolute", bei den alten Chinesen "Tao", bei den alten Indern "Brahman", bei Meister Eckhart die "Gottheit". Und in mystischer Versenkung war erfahrbar, dass UCO und ICO der gleichen Seinsweise angehören, und so suchten die Chinesen das Tao in ihrer eigenen Seele als Te, die Inder das Brahman als Atman, Meister Eckhart die Gottheit als Seelenfunken.
Vielleicht passt gerade an dieser Stelle ein Hinweis auf eine dritte große Lücke im Wirklichkeitsbild der PhG. Wenn von "Qualia" in Form z.B. von Farbe, Kreis, Quadrat oder Melodie die Rede ist, so meint die PhG stets und mit größter Selbstverständlichkeit Qualia der Sinneswahrnehmung. Nehmen wir an, die so genannte "Naturalisierung" dieser Qualia wäre geglückt, und man wisse nun endlich, wie die Qualia mit den Naturgesetzen in Einklang zu bringen wären. Wie sind aber dann genau die gleichen Qualia mit den Naturgesetzen in Einklang zu bringen, wenn sie nicht aus der Sinneswahrnehmung, sondern aus der Außersinneswahrnehmung stammen? Tatsache ist, dass die visuellen ASW-Informationen, die nur über die "ZRE-"lose" (siehe weiter unten) ordinale Sw (UCO+ICO) in das reale visuelle Wahrnehmungssystem (PF+PC) gelangen können, in diesem ebenso "verarbeitet" werden wie die über das Auge vermittelten Informationen. Das lässt sich daran erkennen, dass in der ASW vom gleichen optischen Muster die gleichen Aktualgenesen produziert werden wie in der SW, d.h. dass die ASW-Perzepte offensichtlich durch Aktualisierung der gleichen Gestaltfaktoren wie die SW-Perzepte entstehen. Da tut sich eine dritte große Lücke auf, die wie schon die erste auf massiver Forschungsverweigerung der Wissenschaftler beruht; denn der Außersinnlichen Wahrnehmung wurde bisher die Aufnahme in den Forschungskatalog der Wissenschaft verwehrt. Von der "offiziellen" Wissenschaft werden ihre Fakten einfach ignoriert.
Sind die Eigenschaftsklassen definiert?
Die PhG behauptet, alle Phänomene könnten restlos auf die Klassen des Physischen und des Mentalen verteilt werden, entweder auf diese oder auf jene. Es wurde jedoch gezeigt, dass die PhG bestimmte Klassen von Eigenschaften gar nicht kennt (vor allem die der PF) - oder nicht berücksichtigt (vor allem die der UCO). Die PhG gesteht auch freimütig ein, ihre beiden Klassen der Eigenschaften gar nicht definieren zu können. Wenn aber keine klaren Begriffe zur Verfügung stehen, ist es schwierig, Philosophie zu treiben oder wissenschaftliche Theorien zu entwickeln.
Die acht Welten des AWM dagegen werden nach bestimmten Kriterien definiert. Das AWM ist ein geschlossenes System von Relationen. Zum einen werden seine Welten durch den Ort innerhalb des Systems bestimmt; jede Welt ist somit definiert durch die Evolutionsstufe und durch die Seinsweise, denen sie angehört. Die Welt PF liegt beispielsweise auf der 3. Evolutionsstufe und in der funktionalen Seinsweise. Salopp könnte man sagen: "Im 3. Stock links", und die MO liegt "im 4. Stock rechts". Mit "links" ist zugleich gemeint, dass es sich um eine "primär-hierarchische" Welt handelt, in der die Evolution stattfindet, während die rechte Welt eine "sekundär-hierarchische" ist, deren Gegebenheiten abhängige Korrelate der Linksgegebenheiten sind und selbst - von der obersten Sekundärgegebenheit einmal abgesehen - keinen Einfluss auf ihre Linkskorrelate ausüben. Zugleich sind Linksgegeben- heiten selbstreferentiell, können sich also selbst aktivieren, was den Rechtsgegebenheiten nicht möglich ist - wieder einmal von den obersten Rechts(Sekundär)gegebenheiten abgesehen.
Zum anderen werden die Seinsweisen und ihre Welten durch bestimmte weitere fundamentale Kategorien bestimmt, nämlich durch die Art ihrer Zeit-, Raum- und Energie/Masse- Strukturiertheit. Die Inhalte der materialen Sw sind "Vollmaterien" (man kann auch sagen: "Materien 1. Ordnung"), d.h. sie sind nach Zeit, Raum und Energie/Masse strukturiert (ZRE). Die Gegebenheiten der funktionalen Seinsweise sind Teilmaterien, hier: Materien 2. Ordnung, weil ihnen die Energie/Masse fehlt (ZR). Eine weitere Entmaterialisierung findet beim Informations- Transfer von der funktionalen in die phänomenale Sw statt; die Räumlichkeit geht verloren, und so sind die phänomenalen Gegebenheiten nur zeitstrukturiert (Z) (Materien 3. Ordnung). Überhaupt keine Materieeigenschaften haben die Welten der ordinalen Sw; sie sind zeit-, raum- und energie/masse-los, somit "Materie nullter Ordnung". Von ihnen ist die UCO von besonderer Bedeutung; sie enthält die Bedingungen der Materie, also die Hierarchie der Zeit-Bedingung, der Raum-Bedingung und der Energie/Masse-Bedingung, in dieser Reihenfolge "von unten nach oben". Die UCO muss auch die Naturgesetze enthalten, also die Hierarchie der einzelnen Gesetze der Materie, diejenigen also, die Forschungsgegenstand der Physik und Biologie sind. Diese Materiegesetze sind selbst nicht-materiell, also zeit-, raum- und energie/masse-los, sind folglich der UCO zuzuordnen, der Linkswelt der 1. Evolutionsstufe, die "ihre" Rechtswelt, die kosmische Materie (UCM), erzeugt. Diese Beziehung der Naturgesetze zur Natur (Materie) bringt Brandt (2006, S.9) sehr schön auf den Punkt, wobei ich die AWM-Symbole in Klammern hinzufüge: "Die Naturgesetze (UCO)... sind geistige Entitäten, die in der natürlichen Wirklichkeit selbst (UCM bis ICC) nicht vorkommen. Niemand kann ein Naturgesetz sehen (PC), wir können es nur denken (MC/ICC)." Hierbei muss man "geistige Entitäten" mit "Gegebenheiten der ordinalen Seinsweise" übersetzen und "natürliche Wirklichkeit" mit "Gesamtheit der zeitlichen Gegebenheiten". Diese Gesamtheit wird im AWM (und von N.Hartmann) als "Realität" bezeichnet und besteht im AWM aus den Gegebenheiten der materialen, funktionalen und phänomenalen Sw.
Auf der Grundlage dieser Definitionen der Seinsweisen lassen sich der PhG Definitionshilfen in Bezug auf "physisch" und "mental" geben. Gesetzt den Fall, man akzeptierte die oben probehalber vorgeschlagene Bestimmung, nach der das Physische mit den beiden untersten Evolutionsstufen und das Mentale mit den beiden obersten Evolutionsstufen gleichzusetzen wäre, dann würden sich folgende mit den vorigen identischen Bestimmungen ergeben:
Zum Physischen gehörte die materiale Seinsweise (UCM+VM) mit ihren benachbarten Welten, d.h. mit der sie "verursachenden" Welt (UCO) und der von ihr "bewirkten" Welt (VF).
Zum Mentalen gehörte die phänomenale Seinsweise (PC+ICC) mit ihren benachbarten Welten, d.h. mit der sie "verursachenden" Welt (PF) und der von ihr "bewirkten" Welt (ICO).
Mit HIlfe dieser Definitionen und der Tatsache, dass jede Seinsweise zwei Evolutionsstufen umfasst, lässt sich "Naturwissenschaft" bezeichnen als "Kosmo-physiologische Materiologie" und Geisteswissenschaft als "Psycho-kosmologische Phänomenologie".
Wie dem auch sei, in jenen Zuordnungen zum Physischen bzw. Mentalen - siehe Abb.1 - ist es jeweils nur eine einzige vollständige Sw, die einer der beiden PhG-Klassen zugeordnet werden kann, die materiale Sw (Vollmaterie) dem Physischen, die phänomenale Sw (Bewusstsein/ Bewusstseinsfähigkeit) dem Mentalen. Von den beiden anderen Seinsweisen gehört die eine Welt dem Physischen und die andere Welt dem Mentalen an. So würde (bei einer "Zwangs-Zuordnung") von der ordinalen Sw die UCO dem Physischen und die ICO dem Mentalen angehören, während von der funktionalen Sw die Welt VF dem Physischen und die Welt PF dem Mentalen zuzuordnen wäre. So stellt sich das so genannte Leib-Seele-Problem, genau genommen (und in der AWM-Sicht), als ein Problem der Beziehung der Seinsweisen von Materie und Bewusstsein dar und nicht der Beziehung der Evolutionsstufen von Körper und Seele, noch weniger von Körper und Geist, denn der ist weit weg vom Körper. Die AWM-Sicht lässt das Materie- Bewusstsein- Problem als weniger problematisch erscheinen als die PhG-Sicht; denn zwischen materialer Sw (Materie) und phänomenaler Sw (Bewusstsein) liegt die funktionale Seinsweise; sie trennt zwar Materie und Bewusstsein voneinander, was das Problem ausmacht, aber sie verbindet sie auch miteinander, was die Problemlösung ermöglicht, zumindest erleichtern könnte. Als weniger problematisch ist das Materie-Bewusstsein-Problem in der AWM auch deswegen, weil selbst das Bewusstsein noch als wenigstens "teilweise" materiehaltig aufgefasst wird.
4. Rückblick und Ausblick
In diesem Beitrag wurde auf zwei Theorien hingewiesen, die die Thematik der Philosphie des Geistes betreffen. Die eine von ihnen (ETVG) ist die bisher einzige umfassende und differenzierte Theorie der visuellen Gestaltwahrnehmung. Ihre philosophische Bedeutung besteht vor allem in der für sie essentiellen ontologischen Grundannahme, dass "zwischen" den Entitäten Materie und Bewusstsein - um deren Beziehungen zueinander es in der PhG vor allem geht - eine ihnen gleichwertige Entität gibt, über die wirklichkeitsgerechte(re) Beziehungen definierbar sind. Nicht nur ist diese dritte Entität (die funktionale Sw) als solche in Wissenschaft und Philosophie völlig unbekannt, unbekannt ist auch ein wesentlicher Teil ihrer Inhalte (die Inhalte der Welt PF).
Die zweite Theorie (AWM) ist insofern eine Metatheorie der ETVG, als sie die Struktur der in der ETVG dargestellten visuellen Sinneswahrnehmung in die sie umfassende Struktur der gesamten Wirklichkeit ("Alles was ist") integriert. Die Struktur der Wirklichkeit wurde u.a. gefunden
Es ist klar, dass eine PhG mit jener dritten und mit dieser vierten Entität, also mit der funktionalen und der ordinalen Sw, völlig anders geartet ist als eine PhG ohne sie. Mit ihnen ergibt sich eine quadrialistische (oder gar doppelt-quadrialistische) Struktur der Wirklichkeit, die ganz anders "aussieht" als die der dualistisch/ monistischen Wirklichkeit der heutigen PhG. Was ist nun zu tun?
1. Das Quadrialistische Acht-Welten-Modell ist inhaltlich weiter auszuformulieren, indem für bekannte Fakten ein adäquater "Ort" im System und ihre Beziehungen zu anderen Fakten bestimmt werden;
2. Bisher von der Wissenschaft ignorierte Fakten sind ins System einzufügen, was u.U. zu einer Erweiterung des Systems selbst führen könnte. Das Einfügen der seit 1940 ignorierten aktualgenetischen Fakten hat ja bereits zur Änderung fundamentaler theoretischer Annahmen geführt - mit der Entwicklung der ETVG und der "Entdeckung" der funktionalen Seinsweise. Eine weitere Gruppe massiv ignorierter Fakten ist die der Außersinnlichen Wahrnehmung (ASW): Hellsehen, Telepathie, Präkognition.
3. Was auch im Einzelnen alles getan werden kann, sicher gehört auch "Übersetzungsarbeit" dazu, um die Kommunikation zwischen den Vertretern der verschiedenen Sichtweisen zu erleichtern.
Aber das Problem liegt tiefer: Warum wohl werden seit je Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft als einander "gegensätzliche" Wissenschaftsgruppen angesehen? Das liegt an jenem unseligen Dualismus von Materie und Bewusstsein. Er verbirgt - wie gezeigt - jenen großen "blinden Flecken" der Wissenschaftler (und damit auch der Philosophen), der ihnen nicht erlaubte, den zwischen Materie und Bewusstsein liegenden funktionalen Bereich zu "sehen" - oder wenigstens zu "denken". So haben wir heute zum einen die Philosophie der Materie, die "Naturphilosophie", doch weil die den Geist übersah, ist sie heute praktisch Vergangenheit, und wir haben zum anderen - aber nicht neben ihr, sondern statt ihrer - die Philosophie des Geistes. Die übersieht zwar nicht die Materie, wie die Naturphilosophie den Geist übersah, sie ist aber - ebenso wie die Psychologie - dabei, den Geist in die Materie zu entleeren. (Die "Seele", auch die "sterbliche", ist ihr ohnehin schon abhanden gekommen, wie aus der Wandlung des "Leib-Seele"-Problems zum "Körper-Geist"-Problem hervorgeht). Die Gefahr, nun auch noch den Geist zu verlieren, lauert bereits in der immer lauter werdenden Rede von der "Naturalisierung" des Mentalen, d.h. der "Einordnung" seelischer und geistiger Gegebenheiten, Eigenschaften, Zustände "IN" unser naturwissenschaftliches Weltbild. Dieser Ruf heißt wiederum nichts anderes als die Besonderheiten des Seelisch-Geistigen gegenüber dem Physikalisch-Biologischen zu ignorieren, die Besonderheiten freilich des Geistigen auch gegenüber dem Seelischen, wie ja auch die Besonderheiten des Biologischen gegenüber dem Physikalischen oft ignoriert werden.
Was Not tut ist nicht die Verwischung kategorialer (hier vor allem der ZRE-) Unterschiede, sondern das Zusammentragen der Erkenntnisse von Natur- und Geisteswissenschaft und von Natur- und Geistesphilosophie. Eine solche Kombination der Erkenntnisse kann erfolgreich sein nur über deren Verklammerung durch die bisher übersehene funktionale Seinsweise, die "Leib und Seele", "Materie und Bewusstsein", zusammenhält, sowie durch Generieren einer Übersprache, in die die vielen Sprachen der Einzelwissenschaften und der Philosophie übersetzt werden können, und die umgekehrt auch in diese Sprachen übersetzt werden kann. Die funktionale Seinsweise könnte das Zentrum einer neuen Wissenschaftsgruppe bilden, die zusammen mit ihren Nachbarwelten VM und PC den Gegenstand einer "physio- psychologischen Funktionologie" bildet. Die erste Theorie dieser Wissenschaftsgruppe liegt bereits vor: die ETVG. Ihre Vorgänger-Ausgabe (Kleine-Horst 1992) ist ein Sammelband von acht Heften einer 1985-1989 erschienenen Schriftenreihe, die den Titel trug: "Wo der Leib aufhört und die Seele anfängt. Schriftenreihe zur Grundlegung einer physiopsychologischen Funktionologie". Doch diese neue Wissenschaftsgruppe reicht noch nicht aus, um eine "Philosophie der Wirklichkeit" zu begründen; es bedarf noch einer weiteren Wissenschaftsgruppe, deren zentraler Forschungsgegenstand die noch nicht recht ernst genommene ordinale Sw darstellt - zusammen mit ihren Nachbarwelten, der Universal-Kosmischen Materie (UCM) der 1. Evolutionsstufe und dem Geistigen Bewusstsein (MC/ICC) der 4. Evolutionsstufe. Erst wenn die beiden übersehenen Seinsweisen in den Fokus der Aufmerksamkeit des mainstream von Wissenschaft und Philosophie treten, ist zu erwarten, dass sich eine weithin anerkannte "Philosphie der Wirklichkeit" etablieren wird. Sie wird eine "Theory of everything" sein, allerdings nicht im Sinne der Physik, denn die missversteht "everything" als "every material thing"; in der wahren "Theory of everything" gibt es außer den materialen auch noch functionale, phänomenale und ordinale things. Die Übersprache gibt es ebenfalls bereits: es ist die Sprache des AWM. Und über die Definition von "Materie" wurde die Evolution der Vier-Seinsweisen- vier-Stufen-Wirklichkeit als "Aktualisierung und progressive De-Aktualisierung" der der UCO angehörenden Materie-Bedingungen definiert. Daraus folgt, dass das AWM die Evolution im Prinzip vollständig beschrieben hat; es kann jedenfalls keine fünfte Evolutionstufe und keine fünfte Seinsweise geben. Unabhängig von diesem Ausschließungsgrund bleibt die Möglichkeit einer weiteren evolutionären Entwicklung, die durchaus nicht nur seelisch und geistig, sondern auch biologisch neue Fähigkeiten einbegreifen kann.
Wie die Geschichte der Wissenschaft lehrt, wird die Ausgestaltung eines fundamental neuen Wirklichkeitsbildes durch den mainstream mehrere Generationen dauern, weswegen ich hier schon mal mit ihr angefangen habe.
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