Das quadrialistische Acht-Welten- Modell der Wirklichkeit (AWM)

 

1. Die Bedeutung von Symmetrien

Die Naturwissenschaftler haben die Symmetrie von Naturgesetzen entdeckt; Symmetrien werden für ihr Verständnis des Kosmos immer wichtiger, sogar zum Auffinden weiterer, bisher noch unbekannter, Naturgesetze. Wenn man alle Symmetrien kennt, kennt man alle Naturgesetze, so sagen sie. Was ist Symmetrie?

"Etwas ist symmetrisch, wenn bestimmte Aspekte davon unter sich ändernden Bedingungen gleichbleiben" (Jantsch 1988, S. 186).

"Die Symmetrie eines Objektes ist ... ein Ausdruck der Gesetze, die seinen Aufbau bestimmen" (Genz 1992, S. 42).

"Um im Einzelfall von Symmetrie sprechen zu können, müssen wir die Umformung festlegen, bei der Symmetrie besteht. Ohne diese Festlegung ist Symmetrie ein Allerweltsbegriff..." (Genz 1992, S.46).

Ein Beipiel, das jedermann kennt, ist die Rotationssymmetrie etwa einer Kreisscheibe: sie ist dadurch gekennzeichnet, dass, in welcher Richtung auch immer man eine gerade Linie durch ihren Mittelpunkt legt, stets beide Scheibenhälften "gleich" sind; denn in jedem Punkt jeder dieser Linien ist der rechtwinklige Abstand zu dem jeweiligen Scheibenrand "rechts" und "links" von der Linie gleichgroß. Damit ist die geforderte Umformung angegeben: die Orientierungsänderung der Geraden (der sogen. "Symmetrieachse"). Im trialistischen Weltbild ist die symmetrische Struktur von Körper und Seele erkennbar (Abb.2-1). Wenn man die "Inhalte" beider Strukturen miteinander vertauscht (VM mit PF und VF mit PC), so bleibt die Struktur selbst doch erhalten. Eine weitere Symmetrie ist in Abb. 2-2 zu erkennen: der Aufbau jeder der drei Seinsweisen in zwei Welten.

In der Naturwissenschaft spricht man auch von "Symmetrien" der Naturgesetze selbst. Hier einige Zitate von Physikern, die die große Bedeutung von Symmetrien betonen, auch wenn vieles im einzelnen dem Nicht-Physiker unverständlich bleiben mag. Zunächst wieder Genz (a.a.O.):

Genau diese Überprüfung wird in Bezug auf die im neuen Modell der Wirklichkeit als vorhanden angenommen Symmetrien erfolgen. Diese sind keine spezifischen Symmetrien von "Naturgesetzen" (d.h. materiellen Gesetzen), sondern sie sind generelle Symmetrien von "Wirklichkeitsgesetzen", d.h. solchen, die nicht nur die Materie (materiale Seinsweise) betreffen, sondern auch die anderen, nicht-materialen, Seinsweisen. Diese Symmetrien sind somit allgemeingültige Grundgesetze der Wirklichkeit, denen selbst die Symmetrien der Naturgesetze unterworfen sind. Die o.a. Zitate sollen also über die ausschließlich die Materie betreffenden Naturgesezte auch für die hier neu modellierte Gesamtwirklichkeit Geltung haben. Im Folgenden werden die sich aus dem trialistischen Weltbild und anderen Überlegungen ergebenden Symmetrien in Form von Grundannahmen über die Struktur der Wirklichkeit aufgelistet, die zum größten Teil in Abb. 3-2 eine grafische Darstellung finden. Der Leser möge diese Grundannahmen im nächsten Kapitel einfach mal so hinnehmen, wie sie formuliert werden. Sie beanspruchen hier noch keine Vollständigkeit und haben z.T. auch noch hypothetischen Charakter. Erst nach und nach - aber schon in diesem Beitrag - wird erkennbar, wie sinnvoll die meisten von ihnen bereits sind oder sich doch in Zukunft - bei Weiterentwicklung des Systems - erweisen könnten.

Da die mit der ETVG entdeckte funktionale Seinsweise im Verlauf der Evolution zeitlich erst nach der materialen Seinsweise - dem Gegenstand der Naturwissenschaft - aufgetreten ist, bleiben deren Erkenntnisse von der Erweiterung des Weltbilds ins Psychische und Geistige unberührt (was nicht heißt, dass sich nicht neue Erkenntnisse ergeben könnten). Das heißt für die Entwicklung des neuen Weltbilds:

  1. Die "Naturgesetze" (auf der 1. und 2. Evolutionsstufe) werden anerkannt.
  2. Ihre Gültigkeit wird auf die Materie (i.S. von "Vollmaterie") beschränkt, wodurch sie sich als "Materiegesetze" darstellen. (Definiiton von "Voll-Materie" weiter unten)
  3. Das quantentheoretische Konzept transmaterialer Bedingungen der Materie wird übernommen.
  • Auf dieser und anderen hypothetischen Grundlagen wird ein die Materiegesetze übergreifendes wissenschaftliches Modell der Wirklichkeit ("Alles was ist") konzipiert, das in der Lage ist,
    - alle durch die bekannten Materiegesetze bisher unerklärbaren, ja z.T. nicht einmal beschreibbaren, Fakten ebenfalls zu beschreiben und zu erklären, vor allem psychische und geistige Vorgänge (3. und 4. Evolutionsstufe), auch wenn sie vom mainstream der Wissenschaft bisher noch nicht in den Katalog der Forschungsfragen aufgenommen worden sind (wie z.B. Aussersinnliche Wahrnehmung und Psychokinese) und
    - bestimmte weitverbreitete (religiöse, esoterische usw.) Glaubensvorstellungen als möglicherweise "visionär" adäquat erfasste Beziehungen in der Wirklichkeit verständlich zu machen.
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     Abb. 3-2. Schema des Vier-Seinsweisen-vier-Stufen-Modell der Wirklichkeit ("Acht-Welten-Modell")

     

     2. Grundannahmen über die Struktur der Wirklichkeit

    1. Die Wirklichkeit ist ein in der Unendlichkeit geschlossenes System, d.h. ein System, das keine Beziehungen zu Gegebenheiten außerhalb seiner unterhält; außerhalb dieses Systems gibt es nichts; die Wirklichkeit ist "Alles was ist". Jedes ihrer Subsysteme dagegen ist ein offenes System, weil es mit anderen Subsystemen als seinem Umfeld in Verbindung steht.
    2. Das System "Wirklichkeit" besitzt eine durchgehend hierarchische Struktur, somit auch jedes seiner Subsysteme [deren Hierarchien in Abb.3-2 durch nur je drei Kreise angezeigt werden].
    3. Die Gegebenheiten [Kreise] der Wirklichkeit sind durch einen Entwicklungs-Prozess ("Evolution") entstanden.
    4. Die Wirklichkeit evolviert in vier (Haupt-)Stufen ("Evolutionsstufen" bzw. "Persönlichkeitsschichten", dem "Niederschlag" der Evolutionsstufen im Individuum) [von denen jede in Abb. 3-2 durch zwei horizontal zueinander angeordnete Quadrate repräsentiert wird. Die Evolutionsstufen selbst als auch ihre einzelnen Gegebenheiten werden in Abb. 3-2 als "von unten nach oben" einander folgend dargestellt]
    5. Die Evolution der Wirklichkeit erfolgt über vier Seinsweisen [von denen in Abb. 3-2 jede durch zwei vertikal zueinander angeordnete Quadrate repräsentiert wird]. Der Vierheit der Seinsweisen wegen ist das hier vorgestellte Modell ein quadrialistisches Modell.
    6. Jede Evolutionstufe (Ev.st) umfasst zwei Seinsweisen (Sw) und jede Sw durchzieht zwei Ev.st. Dadurch werden acht voneinander unterscheidbare "Welten" [Quadrate] als Schnittstellen zwischen Ev.st und Sw gebildet ("Acht-Welten- Modell").
    7. Die Hierarchie der einen [hier "linken"} Sw einer Ev.st ist eine "Primärhierarchie", weil ihre Gegebenheiten unmittelbar aufeinander aufbauen [Pfeile nach oben]
    8. Der evolutive Aufbau einer Primärhierarchie vollzieht sich nach dem "Baukastenprinzip", d.h. zwei oder mehr Primärgegebenheiten einer bestimmten Stufe bilden eine Primärgegebenheit der nächst-höheren Stufe. Dieser Vorgang kann im weitesten Sinne als ein "Lernprozess" aufgefasst werden.
    9. Die Hierarchie der anderen ["rechten"] Sw derselben Ev.st ist eine "Sekundärhierarchie" [Fehlen von nach oben und nach links gerichteten Pfeilen]. Ausnahme: Die oberste Sekundärgegebenheit ist zum einen unterste Primärgegebenheit der die nächst-höhere Ev.st durchziehenden Primärhierarchie (Pfeil nach oben), zum anderen verstärkt sie auch "ihre" Primärgegebenheit (Pfeil nach links).
    10. Jede Gegebenheit einer Sekundärhierarchie ist das abhängige Korrelat einer Gegebenheit der Primärhierarchie derselben Ev.st, d.h. sie kann unmittelbar nur von "ihrer" spezifischen Primärgegebenheit erzeugt werden [Pfeil nach rechts].
    11. Eine Primär- bzw. eine Sekundärgegebenheit wirkt um so stärker (ist umso gewichtiger), auf je niedrigerer Hierarchiestufe (Ev.st oder Substufe) sie angesiedelt ist.
    12. Die Primärgegebenheit erzeugt nicht per se eine Sekundärgegebenheit, sondern nur, wenn sie durch bestimmte Aktualisierungsbedingungen "aktualisiert" wird. Die Aktualisierung der Primärhierarchie geschieht stufenweise in der Reihenfolge der hierarchischen Anordnung ihrer Gegebenheiten "von unten nach oben"; in entsprechender Abfolge entsteht die mit ihrer Primärhierarchie korrelierte Sekundärhierarchie, deren Erscheinungsweise sich als stufenweise Differenzierung darstellt. Eine Primärgegebenheit kann also nur dann aktualisiert werden, nachdem alle Primärgegebenheiten, auf denen sie aufbaut, aktualisiert worden sind.
    13. Eine Aktualisierung erfolgt erst dann, wenn die Aktualisierungsbedingungen eine bestimmte Mindeststärke ("Aktualisierungsschwelle") besitzen.
    14. Die generelle Aktualisierungsbedingung ist ein dynamisches Prinzip der UCO, das die eigentliche Evolution, d.h. die Entstehung und Höherentwicklung der Primärgegebenheiten durch die Gesamtheit der Primärhierarchien hindurch bewirkt.
    15. Eine Verminderung der Stärke der Aktualisierungsbedingungen unter die Aktualisierungsschwelle hat eine regressive Deaktualisierung der Primärhierarchie "von oben nach unten" und somit eine stufenweise Entdifferenzierung auch der Sekundärhierarchie zur Folge. Eine Primärgegebenheit kann also nur dann deaktualisiert werden, nachdem alle Primärgegebenheiten, die auf ihr aufbauen, deaktualisiert worden sind.
    16. Alle Gegebenheiten, sowohl die primären als auch die sekundären, treten in zwei Formen oder Erscheinungsweisen auf, die zueinander im Verhältnis der Polarität (bzw. des Antagonismus oder der Komplementarität) stehen
    17. Jede Primärgegebenheit ist selbstreferentiell [reflexiver Pfeil], d.h. sie repliziert und beeinflusst sich selbst (Agonismus, Autopoiese). Die Reflexivität kann sich über mehrere Gegebenheiten erstrecken ("Kreisprozess"). Von den Sekundärgegebenheiten ist nur die oberste Sekundärgegebenheit selbstreferentiell und Kreisprozesse erzeugend, weil sie zugleich unterste Gegebenheit einer die nächste Ev.st. durchziehenden Primärhierarchie ist.
    18. Jede Primärgegebenheit beeinflusst sowohl die auf ihr aufbauende [Pfeil nach oben] Primärgegebenheit als auch die Primärgegebenheit, auf der sie aufbaut [Pfeil nach unten]. Dies bedeutet eine gegenseitige, z.T. nur mittelbare, "Be-Einflussung" (=Wechselwirkung") aller Primärgegebenheiten.
    19. Auf höheren Substufen der 4. Ev.st sind Linkswelt und Rechtswelt zueinander und zur Linkswelt der 1. Ev.st. offen und gehen in gewissem Maße ineinander über.
    20. Die gesamte Wirklichkeit wird von einem Informationsstrom durchzogen [in Pfeilrichtungen], d.h. sowohl "von unten nach oben" als auch "von oben nach unten"; ferner innerhalb einer Ev.st. meistens nur "von links nach rechts", nur in der obersten Sekundärgegebenheit auch "von rechts nach links".
    21. In der Primärhierarchie erfolgt eine Speicherung des in der Beziehung zur Umwelt "Gelernten": im Kosmos als (ordinales) Universal-Kosmisches Gedächtnis, im Körper: als (materiales) Artgedächtnis, in der Psyche als (funktionales) implizites Individualgedächtnis und im Geist als (phänomenales) explizites Individualgedächtnis.

    Das neue Weltbild in dieser formalen Struktur wurde auf Grund der Kenntnis von Teilstrukturen der Wirklichkeit durch konsequente Generalisierung dieser Strukturen auf die gesamte Wirklichkeit mit dem Ziel entwickelt, größtmögliche Symmetrie erkennbar zu machen. Die formale Beschreibung der Struktur lässt die Wirklichkeit in der Tat als ein hochsymmetrisches System erscheinen: Die Evolutionsstufen sind einander isomorph, und die Seinsbereiche sind einander isomorph. Denn die Beziehungen zwischen Links- und Rechtswelt einer Ev.st sind gegen den Austausch der Ev.st gegen eine andere weitgehend invariant, d.h. sie werden durch ihn nicht verändert, sie sind auf jede Ev.st transponierbar. Auch die Beziehungen zwischen der unteren und oberen Welt einer Sw sind gegen den Austausch einer Sw. gegen eine andere Sw. invariant, d.h. sie sind auf jede andere Sw transponierbar. Diese Symmetriebeziehungen (Isomorphie, Homologie) gestatten weitgehend überprüfbare Vorhersagen über bisher unbekannte Gesetzmäßigkeiten im System der Wirklichkeit. Damit gelten die in der Acht-Welten-Wirklichkeit gefundenen Symmetrien nicht nur, wie in der Naturwissenschaft, für Gesetze der (Voll-)Materie ("Naturgesetze"), sondern für alle Gesetze der Wirklichkeit.

     

    3. Erste inhaltliche Interpretation des Acht-Welten-Modells

    Die Wirklichkeit ist durch einen Entwicklungsprozess ("Evolution") entstanden. Die Evolution geschah in vier Evolutionsstufen, die, wie Abb. 3-2 zeigt, in der Abfolge von unten nach oben als "Universal-Kosmische" (Anorganische), "Biologische" (Physische, Körperliche), "Psychische" (Seelische) und "Mentale" (Geistige) oder "Individual-Kosmische" Ev.st bezeichnet werden.

    Um die Wirklichkeit vollständig beschreiben zu können, muss das trialistische Weltbild mit den drei Seinsweisen (Abb.2-1) um die ordinale Sw ergänzt werden (wie in 3-2 geschehen); erst eine solche quadrialistische Struktur kann als der (Gesamt-) Wirklichkeit adäquat angesehen werden. Die evolutiv entstandenen Gegebenheiten der Wirklichkeit gehören einer der vier nacheinander auftetenden Seinsweisen an, zunächst der "ordinalen", dann der "materialen", der "funktionalen" und der "phänomenalen" Sw, und schließlich wieder der "ordinalen" Sw. Für eine solche vierfache "horizontale" Untergliederung der aus vier "vertikal" angeordneten Evolutionsstufen bestehenden Wirklichkeit hat es bisher keinen Vorgänger gegeben. In ihr aber liegt die eigentliche ontologische Bedeutung der neuen Weltsicht. In der charakteristischen Verschränkung von Evolutionsstufen und Seinsweisen liegt das "Geheimnis" eines die naturwissenschaftliche Sicht weit übergreifenden Wirklichkeits- Verständnisses, das eine Anzahl philosophischer und wissenschaftlicher Probleme zu lösen vermag. Von besonderer Bedeutung ist die "zwischen" materiale und phänomenale Sw eingeführte "funktionale" Sw, die in der Philosophiegeschichte nicht einmal als Idee aufgetaucht ist. Dieses "Vier-Seinsweisen-vier-Stufen-Modell der Wirklichkeit" wird, weil es acht Schnittstellen von Evolutionsstufen und Seinsweisen, "Welten" genannt, besitzt, auch als "Acht-Welten- Modell" (AWM) bezeichnet. Unter den vier Sw. nimmt die ordinale Sw. eine Sonderstellung ein. Auf den ersten Blick erscheint sie "auseinandergerissen" und auf zwei weit auseinanderliegenden Evolutionsstufen "verteilt", auf die 1. und die 4. Ev.st. Die Öffnung von ICO und UCO macht das Gesamtsystem "rund" und zu einem in der Unendlichkeit geschlossenen Ganzen.

    Im Folgenden sollen allererste Beziehungen zwischen den o.a. Grundannahmen über die allgemeinen Strukturprinzipien und den von den Einzelwissenschaften gefundenen Teilstrukturen der Wirklichkeit hergestellt werden.

     a. Die Entstehung der Universal-Kosmischen Materie
    aus unbekanntem Urgrund

    Für die unterste Ev.st wird angenommen, dass in ihr Materie entsteht. Was ist Materie? Niemand weiß es. Drum sei dieser Begriff zunächst an Beispielen verdeutlicht, um ihn danach zu definieren. Sie ist die "Universal-Kosmische Materie" (Universal Cosmic Matter, UCM) sowohl des Makrokosmos, d.h. der Hierarchie der Himmelskörper, als auch des Mikrokosmos, d.h. der Hierarchie von Teilchen, Atomen und Molekülen. Nach den Erkenntnissen - zumindest nach den modernsten quantentheoretischen Spekulationen - der Physik entsteht Materie auf Grund von Gegebenheiten, die selbst nicht-materieller Art sind. Hiernach müssen in unserem Modell diese (anorganischen) Materien der untersten Ev.st als Sekundärgegebenheiten aufgefasst werden, wodurch sie als von "ihren" Primärgegebenheiten, nämlich ihren Existenzbedingungen, abhängig gelten. Das bedeutet gemäß der Grundannahme, nach der die Evolution stets in der Primär-Hierarchie stattfindet, dass anorganische Materie (UCM) selbst nicht eigenständig evolviert.

    Dies ist eine etwas befremdliche Folgerung, aber da wir über den Linksbereich in dieser untersten Ev.st so gut wie nichts Konkretes - wenn überhaupt etwas - wissen, widerspricht eine solche Annahme nicht den bisher bekannten Fakten. Es müssen und können nun einige Mindestannahmen über die Materie gemacht werden. Materie ("Vollmaterie") kommt als Masse- bzw. Energie-Teilchen in Raum und Zeit vor. Zeit, Raum und Masse/Energie sind also die Grundgegebenheiten der "Welt" der Universal-Kosmischen Materie. Da alle uns bekannten Gegebenheiten hierarchisch geordnet sind, so kann dies auch für diese drei Grundgegebenheiten angenommen werden. Die Frage ist nur noch nach der konkreten hierarchischen Anordnung. Am besten passt - ich habe es ausprobiert - die Definition der (Voll)Materie als einer hierarchischen Ordnung, in der Zeit, Raum und Energie/Masse, in dieser Reihenfolge "von unten nach oben", aufeinander aufgebaut sind. Da Masse und Energie nach A. Einstein einander gleichwertig sind, werden sie als eine Einheit behandelt. Nach der Annahme der korrelativen Abhängigkeit der Sekundär- gegebenheiten von ihren Primärgegebenheiten muss folgende Aussage über Struktur und Inhalt des Linksbereichs der 1. Ev.st gemacht werden: der Linksbereich enthält die Hierarchie der Bedingungen von Zeit, Raum und Energie/Masse (in dieser Reihenfolge "von unten nach oben"), muss selbst also zeit-, raum- und energie/masse-los sein. Diese logische Folgerung aus den Grundannahmen des Modells stimmt mit den Annahmen der Quantenphysiker insofern überein, als diese den nicht-materiellen, die Materie gleichwohl bedingenden, Bereich ebenfalls für zeitlos, raumlos und masselos halten. Über eine hierarchische Beziehung zwischen Zeit, Raum und Energie/Masse bzw. ihre Bedingungen habe ich in den mir vorliegenden und für mich Laien lesbaren physikalischen Sachbüchern keine Information gefunden; ihre Annahme scheint somit den physikalischen Theorien zumindest nicht zu widersprechen. Bezüglich der Energie wird Unterschiedliches gesagt, die einen meinen, es gebe auch keine Energie in jenem Bereich, andere meinen, er sei voll von Energie (z.B. Bohm 1987). Nach unserem "Acht-Welten- Modell" befindet sich dort keine Energie, jedenfalls keine Energie im üblichen physikalischen Sinne - und nur diese wird in unserem Modell als "Energie" bezeichnet. Was sich in dieser Welt befindet, kann vielleicht als "dynamische Information" (s. Grundannahmen Nr. 14 und 20) bezeichnet werden. Dieser Ausdruck soll den "Glauben" signalisieren, dass diese Welt es ist, die bestimmt, WAS geschieht, und DASS es geschieht. Dieser erststufige Linksbereich, der eine bestimmte Ordnung enthält, nämlich die Materiegesetze (die "Naturgesetze"), nach denen sich die Hierarchie der UCM aufbaut, sei "Universal-Kosmische Ordnung" (UCO) genannt. Sie ist die Schnittstelle der ordinalen Sw und der Universal- Kosmischen Ev.st, während die Welt der UCM die Schnittstelle derselben Ev.st und der materialen Sw ist. Die UCO, der die UCM zugeordnet ist, ist diese (noch völlig unbekannte) Primärhierarchie, die die Bedingungen für die Existenz der Materie und der in dieser stattfindenden materialen Prozesse enthält; sie kann als die "Hierarchie materiefähiger Ordnung" definiert werden. In der UCO befindet sich keine Materie, sondern nur die Möglichkeit der Materie, die "Potenz" der Materie. Erst wenn diese Potenz "aktualisiert" wird (wodurch auch immer, etwa durch ihre eigene Reflexivität), wird Materie existent. Die Aktualisierung der UCO ist im Grossen im "Urknall" geschehen, und geschieht im Kleinen laufend, nämlich immer dann, wenn Teilchen entstehen (und sich danach evt. zu größeren Materiegebilden zusammenfügen). Immer auch erfolgen Deaktualisierungen der UCO, die sich in einer Entdifferenzierung der UCM äussern bis hin zum Verschwinden der Materie im (materiellen) "Nichts", im "Vakuum". Das Vakuum ist nicht wirklich "leer", es enthält zwar nach dem hier vorgestellten neuen Weltbild keine Materie, d.h. weder Zeit noch Raum, weder Masse noch Energie, aber es ist voll von der Möglichkeit, zu Materie, d.h. zu Zeit, Raum und Energie/Masse, aktualisiert zu werden. Ja, es wird sogar angenommen, dass die UCO-Gegebenheiten wie jede Primärgegebenheit die Tendenz zur spontanen Selbst-Aktualisierung (Selbstreferenz, s. rekursiver Pfeil) besitzen, woraus sich eine gewisse Wahrscheinlichkeit spontaner Entstehung von Materie ableiten lässt (in der Physik als "Wahrscheinlichkeitswellen" bezeichnet).

    In Abb. 3-2 wird die Hierarchie einer Welt nur mit je drei Kreisen angedeutet. In der 1. Ev.st mögen diese zunächst als die aus den drei Unterstufen bestehende Grundhierarchie gelten. Natürlich ist im UCM-Quadrat die gesamte vielstufige und verzweigte Hierarchie aller in Raum und Zeit verlaufenden, unmittelbar von der UCO abhängigen, energetischen Prozesse aufgezeichnet zu denken, die den Physikern bekannt sind. Nun kann eine Hierarchiestufe nur dann aktualisiert werden, wenn sie bereits vorhanden ist, das heißt: nur insoweit die Gegebenheiten der Linkshierarchie vorhanden sind, können sie aktualisiert werden und somit Rechtsgegebenheiten erzeugen. Da die UCO definitionsgemäß "zeit-los" ist, können ihre Gegebenheiten nicht zeitlich nacheinander entstanden sein. Für diese Bestimmung werden zuweilen zwei Möglichkeiten angeboten: Entweder gibt es die UCO "schon seit ewigen Zeiten", oder sie ist eine "Schöpfung von Gott" (was immer beides auch heißen mag). Aber beide Möglichkeiten widersprechen der Logik unseres Modells (und den Aussagen der Quantentheorien), denn sowohl "ewig" als auch "Schöpfung" sind Ausdrücke, die eine Zeitstruktur voraussetzen. Ausserdem stehen sie als "Meta-Physik" ausserhalb wissenschaftlicher Überprüfbarkeit; die erste entspricht einem philosophischen, die zweite einem religiösen Glauben. So können wir auch die Allaussage: "In allen Linkswelten und nur in diesen findet primär die Evolution statt" für die 1. Ev.st nicht gelten lassen, weil in einer zeitlosen Welt kein in der Zeit verlaufender Vorgang stattfinden kann, wie die Evolution sie darstellt. Für diesen Widerspruch muss uns noch eine passende Lösung einfallen. 

    b. Die Evolution des Körpers als die einer Hierarchie
    funktionsfähiger Materien

    Nach dem Acht-Welten-Modell der Wirklichkeit finden nicht nur in der Primärhierarchie, sondern auch in der obersten Stufe jeder Sekundärhierarchie selbstreferenzielle Prozesse statt, die bei Beteiligung mehrerer Gegebenheiten die Form von Kreisprozessen annehmen können. In der Welt der UCM haben Eigen und Schuster (1979) einen solchen Kreisprozess zwischen Nucleinsäuren und Proteinen angenommen; sie nennen ihn "Hyperzyklus". Dieser Hyperzyklus wird von den Autoren als Grundlage (nicht schon als Beginn) von "Leben" angesehen. Diese präbiotische Bedingung der Autoren für die Entstehung von Leben, von Lebewesen, entspricht unserem Modell, in dem ebenfalls ein materialer Kreisprozess (oder mehrere) als Grundlage, als Vorbedingung einer neuen, der physischen oder biologischen, Ev.st angesehen wird, in der eine Hierarchie von Lebewesen entsteht. Der "zuoberst" in der Universal- Kosmischen Materie verlaufende Kreisprozess ist der Beginn einer neuen Primärhierarchie; er entspricht der obersten Sekundärgegebenheit der 1. Ev.st und ist zugleich auch die unterste Primärgegebenheit einer Primärhierarchie, die die 2. Ev.st durchzieht. Auf der Materieart der "niederen" Ev.st baut also eine andere, "höhere", Materieart auf, die die nächste Stufe durchzieht. Die "niedere" Materie ist (bis vor der obersten Gegebenheit) eine ausschließlich abhängige ("sekundäre") Materie, abhängig von ihren nicht-materiellen Bedingungen in der UCO. Die "höhere" Materie besteht dagegen aus Primärgegebenheiten, die nunmehr die Evolution "übernehmen" und ihrerseits von ihnen abhängige Korrelate erzeugen. Den Körper des Einzellebewesens kann man als Niederschlag der Bio-Evolution verstehen. Dabei entspricht der einmal (phylogenetisch) entstandenen Hierarchie der Lebewesen die ständig neu (ontogenetisch) entstehende Primärhierarchie der Körpermaterien (VM) der einzelnen Lebewesen, zusammen mit ihren mit ihnen korrelierten und von ihnen abhängigen sekundärhierarchischen Körperfunktionen (VF). So hat beispielsweise die VM "Herz" die VF, den Blutkreislauf in Gang zu halten, und die VM "Niere" hat die VF, das Blut zu "entschlacken" usw. Die Primärhierarchie dieser 2. Ev.st ist somit eine Hierarchie funktionsfähiger Materien. Von (funktions)-"fähig" ist zu reden, weil die (Körper-) Materien gegeben sein können, ohne dass im Augenblick auch nur eine ihrer Funktionen realisiert wird. Auf der anderen Seite kann eine Körperfunktion nicht "existieren" ohne ihre Körpermaterie, durch deren Aktualisierung sie ja entsteht. Die Körperfunktionen befinden sich in der Schnittstelle von physischer Ev.st und funktionaler Sw. 

    c. Die Evolution der Psyche als die einer Hierarchie
    bewusstseinsfähiger Funktionen

    In Abb. 3-2 sieht man, dass die psychische Ev.st auf der physischen Stufe aufbaut und in ihr "wurzelt". Es finden Kreisprozesse in der obersten Sekundärgegebenheit, in der Welt der Vitalfunktionen statt, die die unterste Stufe einer die nächste Ev.st durchziehenden neuen Primärhierarchie bilden. Um welche Funktionen handelt es sich hier? Es ist anzunehmen, dass die am weitesten evolvierte Körpermaterie das Neuron ist, und dessen Funktion ist "Eregung". Erregung erzeugt Erregung erzeugt Erregung. Die neuronale Erregung pflanzt sich von einer Nervenzelle zu anderen fort und kehrt oft wieder zur Ausgangszelle zurück. So entstehen - in Homologie zu Eigens Hyperzyklen - zuoberst der Welt der UCM neuronale Kreisprozesse. Abb. 2-1 lässt vermuten, welche Sekundärgegebenheiten (oder Subhierarchie von körperfunktionalen Gegebenheiten) im visuellen System diese Kreisprozesse erzeugen (oder selbst "sind"): Es sind die VF-Erregungen zwischen den VM-Neuronen Ym, Yl, Yt, und Yd, also reflexive Verbíndungen zwischen den VF-Funktionen Zm, Zl, Zt und Zd. Diese Kreisprozesse der obersten Sekundärgegebenheit der 2. Ev.st sind zugleich "normale" Kreisprozesse der untersten Gegebenheit einer neuen Primärhierarchie (PF), die die nächste (die 3.) Ev.st durchzieht.

    Auf der sekundären Hierarchie der ("niederen") Körperfunktionen (VF) baut sich eine Hierarchie von höheren Funktionen auf, deren Primärgegebenheiten ihrerseits mit je einer sekundärhierarchischen Gegebenheit korrelieren, indem sie diese produzieren. In der "Empiristic theory of visual gestalt perception. Hierarchy and interactions of visual functions" (ETVG) (KH 1992a, 2001; s. auch Teil 2) wurden für das Gebiet der statischen, 2-dimensionalen visuellen Wahrnehmung Aufbau und Aktualisierung der Grundhierarchie psychischer Funktionen, ausführlich dargestellt. Es handelt sich um eine 10-stufige Hierarchie aus 14 (von 25) "Gestaltfaktoren", deren Aktualisierung zu visuellen Perzepten aus 14 "Gestaltqualitäts-Dimensionen" führt. Wenigstens die sechs untersten Gestaltfaktoren bestehen aus je zwei antagonistischen Gestaltfunktionen, deren Aktualisierung zur Bildung von je zwei polarisierten Gestaltqualitäten führt.

    Die "Gestaltfaktoren" (wie sie in der Wissenschaftssprache der ETVG genannt werden) werden in der Metasprache des AWM als "psychische Funktionen" (PF) bezeichnet, während die "Gestaltqualitäten" die zugehörigen "psychischen Bewusstseine" (psychic consciousnesses, PC) sind, mit denen man seine gegenständliche Umwelt erlebt . Die in der 3. Ev.st neu entstehende Sw der Bewusstseinsphänomene wurde "phänomenale Sw" genannt. PF ist die Schnittstelle von psychischer Ev.st und funktionaler Sw, und PC ist die Schnittstelle von psychischer Ev.st und phänomenaler Sw. In der psychischen Ev.st wird die Evolution also von der Hierarchie bewusstseinsfähiger Funktionen übernommen.

     d. Die Evolution des Geistes als die einer Hierarchie
    ordnungsfähiger Bewusstseine

    Da auch die oberste Sekundärgegebenheit der 3. (psychischen) Ev.st sich in einem Kreisprozess reproduziert, ist sie eine Primärgegebenheit, denn nur Primärgegeben- heiten sind reflexive Gegebenheiten. Sie ist somit die unterste Gegebenheit einer neuen, die 4., die Geistige oder Mentale, Ev.st. durchziehenden Primärhierarchie. Ich kann noch nicht genau sagen, von welcher psychischen Funktion diese oberste Sekundärgegebenheit der PC gebildet wird. Wahrscheinlich sind es anschauliche Assoziationen, die jetzt "im Kopf herum gehen", und die die aus Symmetriegründen zu erwartenden "Kreisprozesse" bilden. Man spricht ja auch von einem "Gedankenkarussel", das als so zwanghaft erlebt wird (wenn man sich seiner "bewusst" wird), dass man es kaum abstellen kann. Aber es sind noch keine richtigen "Gedanken" am Werk, es ist nicht einmal richtiges Denken, es sind höchstens lose Assoziationen von Vorstellungen, die immer wieder auf sich selbst zurückkommen - in Homologie (nicht: Analogie!) zu den neuronalen und molekularen Kreisprozessen. Echte Denkvorgänge sind Primär-Gegebenheiten der Welt der "Mentalen Bewusstseine" (MC), die sich auf eben diesen obersten (Sekundär)-Gegebenheiten der psychischen Bewusstseine (PC) aufbauen. Gedanken sind vielmehr die Ergebnisse der MC und bilden als Produkte einer Primärhierarchie eine Sekundärhierarchie, hier: die Welt der "Mentalen Ordnung" (MO). Gedanken und Gedankensysteme wie soziale und Rechts-Ordnungen und die Systeme der Logik, Arithmetik und Geometrie sind solche vom Menschen gemachte mentale Ordnungen wieTheorien, die durch den Vorgang des Denkens entstehen (z.B. die ETVG und das AWM). "Hier schließt sich der Kreis", würde man in der Alltagssprache sagen, "Hier schließt sich die Wirklichkeit", müsste der "Quadrialist" sagen; denn die Wirklichkeit, deren Entwicklung (Evolution) mit der ordinalen Sw der 1. Ev.st (unzeitlich) "begonnen" hat, "endet" in derselben ordinalen Sw der 4. Ev.st, d.h. die Wirklichkeit ist "rund". Der Ausdruck "schließt sich" trifft genau das Gemeinte: denn eine der o.a. Grundannahmen besagt, dass die Wirklichkeit ein "geschlossenes" System ist, wenngleich ein im Unendlichen geschlossenes System. Um die Beziehung zwischen der 1. und der 4. Ev.st noch stärker zum Ausdruck zu bringen, sei die Welt der Mentalen Ordnung (MO) in entsprechender Weise (auch) "Individual-Kosmische Ordnung" (ICO) genannt, passend zum Begriff der "Universal-Kosmischen Ordnung" (UCO) der 1. Ev.st. Und ihre Linkshierarchie, die u.a. per Denken die Gedankenwelt des ICO "herstellt", sei in entsprechender Weise "Individual-Kosmisches Bewusstsein" (ICC) genannt. Das ICC bzw. MC ist also die Hierarchie ordnungsfähiger Bewusstseine.

     

    4. Ganzbetrachtung des Systems "Wirklichkeit"

    a. Die Evolution der Wirklichkeit als progressive Deaktualisierung
    der Materie-Bedingungen

    Es ist ausserordentlich wichtig, zwischen den beiden Welten einer Sw zu unterscheiden; sie gehören unterschiedlichen Evolutionsstufen an, deren eine auf der anderen aufbaut, während diese die Grundlage für jene bildet. Viele Psychologen kennen nicht den Unterschied zwischen dem Objektbewusstsein, dem psychischen Bewusstsein (PC) der 3. Ev.st, und dem (reflexiven) Selbst-Bewusstsein, dem geistigen oder mentalen Bewusstsein (MC) der 4. Ev.st. Für sie ist Bewusstsein identisch mit reflexivem Bewusstsein, besonders seit der "kognitiven Wende", als man feststellte, dass die schlichte Wahrnehmung eines Gegenstandes durch das, was man von diesem Gegenstand weiß, also durch kognitive (d.h.mentale) Vorgänge weiß, beeinflusst werden kann.

    Man kann an das nach der bisherigen Beschreibung noch hochspekulative Modell viele Fragen stellen, so etwa diese: Warum vier Evolutionsstufen und gerade diese? Warum vier Seinsweisen und gerade diese? Es ist eigentlich nicht zu erwarten, eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen, dennoch wurde eine Antwort gefunden. Die "Voll-Materie" (die Gegebenheiten der materialen Seinsweise) kann als eine Hierarchie von "Zeit", Raum" und "Energie/Masse" - in dieser Anordnung "von unten nach oben" - definiert werden. Daraus folgt, dass die Vier-Seinsweisen- Vier-Stufen-Evolution als die progressive Deaktualisierung der UCO-Hierarchie aufgefasst werden kann, derjenigen Hierarchie also, deren Aktualisierung im Urknall die Materie erzeugt hat. Das soll hier gezeigt werden.

    Zunächst einige Wiederholungen und Erläuterungen zu den Begriffen "Aktualisierung" und "Deaktualisierung" (Teil 2), die, von der ETVG herrührend, im AWM generalisierend auf alle Primärhierarchien der Wirklichkeit angewandt werden. Nachdem, auf welche Weise auch immer, eine neue Gegebenheit in einer Primärhierarchie entstanden ist, kann sie eine "Wirkung" entfalten, nämlich eine mit ihr korrelierte Sekundärgegebenheit "erzeugen" oder die Wirkung anderer Primär- gegebenheiten verstärken bzw. abschwächen. Sie tut dies nicht automatisch, es besteht keine Notwendigkeit dazu; sie muss vielmehr dazu angeregt, "aktualisiert", werden, damit aus ihrer "Potenz" ein solcher "Akt" wird. Alle evolvierten Gegebenheiten befinden sich in einer Hierarchie angeordnet. Wir haben also zu unterscheiden zwischen der Entstehung, Entwicklung, Evolution einer Hierarchie von Gegebenheiten (mit je bestimmter Potenz) und der Aktualisierung dieser Hierarchie, nachdem sie entstanden ist. Sowohl die Entstehung einer Hierarchie als auch ihre Aktualisierung erfolgt "von unten nach oben". Mit der Aktualisierung der Primärgegebenheiten treten auch ihre je spezifischen, mit ihnen korrelierten, Sekundärgegebenheiten auf, also ebenfalls in ihrer hierarchischen Anordnung "von unten nach oben". Die Sekundärgegebenheiten treten stets in einer Seinsweise auf, die von derjenigen "ihrer" Primärgebenheiten verschieden ist. Sie treten auch stets "stufenweise" auf, auch wenn die Bedingungen für die Aktualisierung der Primärhierarchie kontinuierlich ansteigt; denn die aufeinander aufbauenden Primärgegebenheiten besitzen jeweils eine "Aktualisierungsschwelle" (Mindeststärke der Aktualisierungsbedingungen), die "von unten nach oben" diskret ansteigt.

    Die Empiristische Theorie der visuellen Gestaltwahrnehmung (ETVG) gibt für die funktionale Sw und das Gebiet des Sehens genau an,

    1. wie die 10-stufige Primärhierarchie der 25 visuellen Wahrnehmungsfaktoren in der psychischen Persönlichkeitsstufe entstanden ist (nämlich durch implizite Lernprozesse des Babys),

    2. wie diese Hierarchie sowohl durch nachfolgende Sinnesreizung der Retina als auch durch Aufmerksamkeits-Zuwendung auf die Reizquelle aktualisiert wird. Jeder Gestaltfaktor produziert bei seiner Aktualisierung seine spezifische Gestaltqualität, wodurch sich das visuelle Perzept stufenweise aufbaut ("Aktualgenese").

    Es wird 3. gezeigt, dass eine Verminderung der Sinnesreize oder der Aufmerksamkeits- Zuwendung eine Deaktualisierung der Faktorenhierarchie bewirkt, wodurch sich das Perzept stufenweise entdifferenziert ("Aktuallyse"). Es handelt sich hier um eine regressive Deaktualisierung der Primärhierarchie, durch die ein schrittweises Verschwinden der hierarchisch angeordneten Sekundärgegebenheiten "von oben nach unten" erfolgt, so dass nach jedem nächsten Schritt der Deaktualisierung der Primärhierarchie die Sekundärhierarchie weniger Inhalt hat (d.h. weniger Details) enthält und dadurch weniger differenziert ist als vor diesem Schritt.

    Solche regressive Deaktualisierung kommt in der Wirklichkeit stets und in allen Evolutionsstufen vor. Nach dem Tod eines Lebewesens beispielsweise "verwest" der tote aus Materie bestehende Körper, d.h. seine komplexe Struktur löst sich in weniger komplexe auf, Makromoleküle zerfallen in Mikromoleküle und diese in ihre Atome und noch kleinere "Teilchen", und auch diese letzten Materieteilchen können noch "abgebaut" werden und verschwinden dann im materiellen "Nichts", der UCO.

    Nun lässt sich zeigen, dass der Aktualisierung dieser UCO-Primärhierarchie (die aus einer Grundhierarchie von Zeit-Raum-Energie/Masse-Bedingung besteht), eine Deaktualisierung entspricht, die sich als "Rücknahme" ihrer Gegebenheiten "von oben nach unten" ausweist. Man kann zwar nicht in der UCO selbst die Gegebenheiten (Zeitbedingung, Raumbedingung und Energie/Masse-Bedingung) und ihre Deaktualisierung feststellen. Aber es lässt sich "rechts" von dieser Linkshierarchie ein Gesamtvorgang nachweisen (nämlich die Evolution in den Welten 2 bis 8), der dadurch gekennzeichnet ist, dass nach dem Urknall mit seiner Produktion der (Voll)Materie in drei aufeinander folgenden Evolutionsstufen zusätzlich Gegebenheiten auftreten, in denen zunächst die Energie/Masse, dann der Raum und schließlich auch die Zeit fehlen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man nämlich, dass die 1. Ev.st durch Zeit-Raum-Energie/Masse charakterisiert ist, und dass sich über der 1. Ev.st eine 2. Ev.st aufbaut, in der Energie/Masse verschwindet, während Raum und Zeit noch erhalten bleiben. In der 3. Stufe verschwindet die Räumlichkeit und in der 4. Stufe die Zeitlichkeit. Das stufenweise Verschwinden der drei Materieaspekte geschieht jeweils bei der "Erzeugung" der Sekundärgegebenheiten durch "ihre" Primärgegebenheiten. Die Sekundärhierarchie befindet sich daher stets in einer Seinsweise, die von der Sw der Primärierarchie durch das Fehlen eines Materieaspekts gekennzeichnet ist, der in der Primärhierarchie selbst noch vorhanden ist. Die Evolution beruht somit auf einer sich über drei Evolutionsstufen hinziehenden Deaktualisierung der UCO, die im Urknall zu UCM aktualisiert worden war. Diese Form der Deaktualisierung soll "progressive" Deaktualisierung genannt werden. Sie ist dadurch charakterisiert, dass mit dem Verschwinden der hierarchisch angeordneten Gegebenheiten (Zeit-Raum-Energie/ Masse) "von oben nach unten" zusätzlich jeweils neue Gegebenheiten entstehen. Das heißt: jeder nächste durch Deaktualisierung erreichte Aktualisierungszustand des Gesamtsystems besitzt - im Gegensatz zur regressiven Deaktualisierung - mehr Inhalt als der vorhergehende. Denn die "Links-Inhalte" (Primärgegebenheiten) einer Ev.st samt aller Gegebenheiten der vorigen Ev.stn bleiben ja bestehen, wenn die um einen Materieaspekt verringerten "Rechts-Inhalte" (Sekundärgegebenheiten) auf derselben Ev.st hinzu kommen. Die Sekundärgegebenheiten begründen jeweils eine neue Seinsweise.

    Dieses Verschwinden der drei Materieeigenschaften in aufeinanderfolgenden Evolutionsstufen soll jetzt etwas näher aufgezeigt werden. Auf der untersten Ev.st wurde also Materie (UCM) kreiert, d.h. die Hierarchie von Zeit, Raum und Energie/Masse. Dies geschah laut Modell durch Aktualisierung der Hierarchie der Materiebedingungen, d.h. der Zeit-, Raum- und Energie/Masse-Bedingungen in der UCO.

    Auf der zweiten Ev.st erfolgt die erste Phase der "progressiven Deaktualisierung" der Materie-Bedingungen. In dieser Stufe produzieren die hierarchisch (in Zeit-Raum- Energie/Masse) organisierten Körpermaterien "ihre" mit ihnen korrelierten Körperfunktionen, die somit einer anderen, hier: der "funktionalen", Sw. angehören. Diese jedoch unterscheidet sich von der materialen Sw dadurch, dass ihr die höchste Stufe der materialen Grundhierarchie fehlt: die Energie/Masse. Funktion (i.S. des AWM) ist zwar gebunden an Materie, auch an deren Energie/Masse, aber sie ist selbst nicht-energetisch und besitzt keine Masse. Sie ist aber immer noch räumlich und zeitlich strukturiert. Beispiel Herz: es hat die "Funktion", den Blutkreislauf in Gang zu halten. Das Herz gehört der materialen Sw an, das Blut ebenfalls. Beide sind "Masse" und "enthalten" somit Energie, und beide befinden sich in Raum und Zeit. Der Blutkreislauf dagegen - nicht das Blut selbst, sondern der "Kreislauf" des Blutes - ist ohne jede Energie und Masse. Die kinetische Energie des sich bewegenden Blutes gehört dem Blut selbst an, nicht dessen Kreislauf. Der Kreislauf selbst ist nicht-energetisch und ohne Masse, er ist pures Bewegungsmuster und als solches nur räumlich-zeitlich definierbar. Weil den Körperfunktionen ein Aspekt der Vollmaterie fehlt, werden sie einer anderen Seinsweise als der materialen Sw. zugeordnet, hier der "funktionalen Sw."

    Auf der dritten (psychischen) Stufe produzieren die funktionalen Gegebenheiten (PF), wenn sie aktualisiert werden, phänomenale Gegebenheiten (PC). Nicht nur fehlt diesen Bewusstseinsphänomenen (wie schon den Funktionen) Energie/Masse, es fehlt ihnen auch die räumliche Strukturierung (die die Funktionen noch besitzen). Wahrnehmungsbewusstsein, visuelles Erleben zum Beispiel, befindet sich nicht in einem Raum, es ist selbst auch nicht räumlich strukturiert, lediglich seine Inhalte sind oft räumlich organisiert, etwa dann, wenn wir visuell irgendeine räumliche "Konfiguration" wahrnehmen, z.B. ein Quadrat oder einen Hund. Die Phänomene selbst, die psychischen Bewusstseine, sind nicht räumlich strukturiert, doch sind sie noch zeitlich strukturiert, sie geschehen in der Zeit, sie benötigen eine gewisse Zeitdauer für ihr Existieren. Dieser Wegfall der Räumlichkeit ist der zweite Schritt in der "progressiven Deaktualisierung" der dreifachen Materie-Bedingung der UCO.

    In der vierten Ev.st wird die dritte und letzte, ja, letztmögliche, Phase der progressiven Deaktualisierung von Zeit-Raum-Energie/Masse erreicht. Wir finden "links" zeitverbrauchende Gegebenheiten: mentale Bewusstseine (MC, ICC) wie z.B. Akte des Denkens und Urteilens. "Rechts" jedoch gibt es sozusagen dieselben Gegebenheiten, aber ohne Zeit-Aspekt oder zeitliche Lokalisierungen, ihnen fehlt außer Energie/Masse und Raum auch die Zeit. Hier finden sich zeit-lose Gedanken und Denksysteme des Individuums oder der Gesellschaft; diese "erscheinen" in ordinaler Sw, sie sind sozusagen reine Ordnung, eine geistige oder mentale Ordnung (MO), Individual-Kosmische Ordnung (ICO), die man traditionell als "objektivierten Geist" zu bezeichnen pflegt. Wobei diese Ordnung freilich selbst in zeitlichen Prozessen im MC entstanden ist; der "objektivierte Geist" hat eine "Geschichte".

    Nun ist in drei Schritten von der 1. zur 4. Ev.st die progressive Deaktualisierung der UCO am Ende angelangt, und die drei Grundgegebenheiten oder Aspekte der Vollmaterie: Energie/Masse, Raum und Zeit, wurden, in dieser Abfolge, in drei großen Evolutionsschritten von der UCO "zurückgenommen". Aus dem Umstand, dass Vollmaterie drei Bestimmungsmerkmale aufweist, ergibt sich auch die Vierzahl der Evolutionsstufen, und da in drei Ev.st jeweils eine neue Sw auftritt, auch die Vierzahl der Sw. Folglich kann es eine 5. Ev.st und eine 5. Sw. nicht geben, die den bisher angewandten Kriterien entsprechen, denn es gibt halt nur drei Materieaspekte, die in der "Vollmaterie" der materialen Sw. vorhanden sind und nacheinander in den folgenden drei Seinsweisen "verloren" gehen.

    In jeder höheren Ev.st. wächst mit dieser Art von Deaktualisierung der UCO die "Freiheit" der Wirklichkeit. In der materialen Sw war die Wirklichkeit durch Zeit, Raum und Energie/Masse begrenzt. Für die funktionale Sw wird zur Herstellung weniger gebundener Gegebenheiten auf die Existenz der zur Voll-Materie benötigte Energie/Masse verzichtet. Damit entfiel auch die Begrenzung durch Energie/Masse. Auf der 3. Stufe verschwanden auch die räumlichen und auf der 4. Stufe schließlich auch die zeitlichen Begrenzungen. So enthält die ICO ebensowenig Begrenzungen wie die UCO. Sie sind in qualitativer Hinsicht identisch, d.h. sie gehören derselben Sw. an. Lediglich in ihrer "Intensität", in ihren quantitativen Aspekten, sind beide unterschiedlich. Wir müssen also zwischen "Vollmaterie" (Materie der materialen Sw.) und Arten von "Teilmaterie" (der Energie/Masse und evt. noch Raum fehlt) unterscheiden, die sich auf der Vollmaterie aufbaut. Die Welt der Individual- Kosmischen Ordnung (ICO) besteht aus "Nullmaterie" ("Nichtmaterie"), so wie die "unterste" Welt der Universal-Kosmischen Ordnung (UCO) aus Null-Materie besteht. Wenn es heißt, die Freiheit wachse mit jeder Evolutionsstufe bzw. Seinsweise, so heißt dies ja nur, dass z.B. die Freiheit von ICC größer ist als die von PC, und die Freiheit von PF größer als die von VF. Die höchste Freiheit, nämlich die völlige Entgrenzung von jedem materialen (Teil-)Aspekt besitzt erst die ICO, aber auch deren Freiheit ist keine absolute, denn sie ist - als Sekundärhierarchie - abhängig von ihrer Primärhierarchie, dem ICC, und diese ist zeitlich begrenzt. Alle Aussagen über "Freiheit" und "Begrenzung" einer Welt sind relativ, d.h. sie sind in Relation zu Freiheit und Begrenzung anderer Welten zu sehen, vor allem in Relation zu den zu ihnen niedrigeren Welten, auf denen sie aufbauen, und die stets weniger frei und mehr begrenzt sind als sie selbst. Absolute Freiheit und Unabhängigkeit kann es nur in der UCO geben: völlige Freiheit von jeder Materialität, völlige Unabhängigkeit von einer Primärhierarchie, denn sie ist selbst eine Primärhierarchie. Die Universal-Kosmische Ordnung ist grenzenlos, grenzenlose Möglichkeit.

    b) Dynamik des Informationsflusses in der Wirklichkeit

    Was ist es eigentlich, das innerhalb einer Ev.st von der einen in die andere Sw. "übergeht"? Man kann es zunächst nur als "Information" bezeichnen. Sie geht durch das gesamte System von der ordinalen Sw des Universalen Kosmos zur ordinalen Sw. des Individualen Kosmos. Da alle Gegebenheiten des Systems "Wirklichkeit" miteinander in Wechselbeziehung stehen (gemäß Grundannahme Nr.18), geht ein Informationsfluss auch in die Gegenrichtung (s. Doppelpfeile in Abb. 3-2) von der ordinalen Sw des Individualen Kosmos zur gleichen Sw. des Universalen Kosmos. Nun ist kein Grund ersichtlich, warum dieser Informationsfluss ausschließlich im UCO seinen Ausgang nehmen und über UCM, Körper, Seele und ICC in die ICO fließen sollte statt - zumindest auch, vielleicht sogar vorwiegend - innerhalb der Ordinalen Sw unmittelbar von UCO zu ICO zu verlaufen. Entsprechendes gilt für die umgekehrte Richtung: von der ICO zur UCO. ICO und UCO stehen in engster Beziehung zueinander; die eine Art von Ordnung beeinflusst die andere, sie sind - als Ordnung - von gleichem "Wesen", nämlich von gleicher Seinsweise.

    c) Offenheit der Welten

    Es wurde oben bereits gesagt, dass die einzelnen Welten "offene" Systeme seien, d.h. im "Austausch" (Informationsaustausch, Wechselwirkung) mit ihren "Um-Welten"(die jeweils anderen Welten) stehen. Das gilt auch für die Welten eines jeden Individuums, die sowohl mit den eigenen Welten als auch mit den Welten der anderen Individuen in Informationsaustausch stehen. Insofern dürfen die Grenzen der "Kästchen" in den Abbildungen nicht als reale Abgrenzungen der Welten gegeneinander missverstanden werden. Wenn "oben" und "unten" Kästchen teilweise offen gezeichnet wurden, so freilich, weil für die so gekennzeichneten Welten Besonderheiten der Offenheit und somit des Informationsübergangs angenommen werden:

    Erstens gehören ICO und UCO derselben Seinsweise an, d.h. sie sind von gleichem "Wesen", wenngleich sie unterschiedlichen Hierarchiearten und unterschiedlichen Ev.st angehören; die UCO ist eine primäre Hierarchie der 1. Ev.st, die ICO eine sekundäre Hierarchie der 4. Ev.st. Man kann auch nicht sagen, dass beide das gleiche Verhältnis zueinander haben wie die Primär- und Sekundärwelten in den anderen Seinsweisen. Man kann nicht gut die (primärhierarchische) UCO als eine evolutionäre Weiterentwicklung der (sekundärhierarchischen) ICO ansehen; ihr Verhältnis zueinander muss von anderer Art sein. Die Metapher der Esoteriker von der Unterschiedlichkeit der "Frequenzen" könnte hier tatsächlich zu einem ersten Verständnis führen; denn man könnte dann in Analogie zur Rundfunktechnik die niedrige Frequenz der ICO als eine "Modulation" der hohen "Trägerfrequenz" der UCO betrachten. So wie jede Evolutionsstufe von ihrer niedrigeren Stufe "getragen" (N. Hartmann) wird, so wird - wenngleich in Umkehrung des üblichen Verhältnisses der Hierarchiearten zueinander - auch die ICO der 4. Ev.st von der UCO der 1. Ev.st "getragen", und zwar unmittelbar, d.h. ohne die Vermittlung von Zwischenstufen.

    Zweitens ist in der 4. Ev.st. das Verhältnis der Primärhierarchie (ICC) zu ihrer Sekundärhierarchie (ICO) eine andere als im Falle der niederen Ev.st.: die Primär-Hierarchie produziert nicht nur ihre Sekundär-Hierarchie, sie kann das (dem aktuellen Bewusstsein entrückte) Produkt auch wieder "zurückrufen" oder, wenn es nicht vom selben Individuum stammt, "ablesen". Konkret heißt dies, dass ein individuelles geistiges Bewusstsein (ICC) in der Lage ist, sich einer geistigen Ordnung (ICO) bewusst zu werden, wodurch deren Inhalt wieder zu ICC gemacht wird, gleichgültig sogar, ob diese ICO aus dem eigenen oder einem fremden ICC stammt. Auf diesem Vorgang beruht die Tradiierung menschlicher Kultur.

    Drittens wird angenommen, dass das ICC in der Lage ist, bis zu einem gewissen Grade in die UCO überzugehen. So wäre es etwa durch konzentrative Meditation möglich, die "Bindung" des ICC an die "niederen" Evolutions- bzw. Persönlichkeitsstufen zu "lockern", so dass es "in höheren Frequenzen schwingen" und auf diese Weise etwas von der Struktur der UCO erfassen könnte - eine Erlebnisart, die vom Erlebenden als "Erleuchtung" oder "göttliche Eingebung" bezeichnet werden und evt. im ICC zu einem (religiösen) Gedankensystem verarbeitet und im ICO "abgelagert" werden könnte.

     

    5. Theorie oder Spekulation? Rückblick und Ausblick

    Einige Leser mögen noch fragen: Was soll das alles? Dieses System sieht wie eine interessante Spekulation aus, aber ohne irgendeine Bedeutung für den Fortschritt in der Wissenschaft. Nur wenn als pure Spekulation genommen, ist das System ohne Bedeutung; wenn es dagegen als eine (wenngleich sehr abstrakte) Theorie der Wirklichkeit aufgefasst wird, wird es seine wissenschaftlichen Implikationen offenbaren, denn dieses System ist in der Tat weitgehend testbar, wie es sich für eine wissenschaftliche Theorie gehört. Was nicht getestet werden kann, muss freilich als spekulativ gelten, zumindest vorerst. Man kann nicht erwarten, diese Vier-Seinsweisen- Vier-Stufen-Supertheorie unmittelbar durch Konfrontation mit Fakten zu testen; dazu sind ihre Hypothesen zu weit von den Fakten entfernt. Aber man kann erwarten, von ihr Subtheorien ableiten oder bereits vorgeschlagene Subtheorien wählen zu können, die ihrerseits unmittelbar oder über weitere Subtheorien mittelbar auf Übereinstimmung mit oder zumindest auf Nicht-Widersprüchlichkeit zu Fakten getestet werden können. Die ETVG ist solch eine Subtheorie, die als vom Vier-Seinsweisen-Vier-Stufen-Modell der Wirklichkeit abgeleitet angesehen werden kann, obwohl sie historisch "eigenständig" entwickelt worden ist (KH 1961, 1992a, 2001) und dann entscheidende Ideen zur Entwicklung des quadrialistischen Modells der Wirklichkeit als ihrer Supertheorie beigetragen hat. Was ist eine "gute Theorie"?

    "Eine gute Theorie wird auf einem Forschungsgebiet, bei dem schon durch die Aufstellung empirischer Gesetze ein gewisses Maß an Verständnis erreicht worden ist, dieses Verständnis sowohl vertiefen als auch erweitern. Erstens liefert solch eine Theorie eine systematisch einheitliche Darstellung ganz verschiedener Phänomene. Sie führt sie alle auf die gleichen zugrundeliegenden Prozesse zurück, und sie stellt die verschiedenen empirischen Gesetzmäßigkeiten, die sie aufweisen, als Manifestationen einer gemeinsamen Menge von Grundgesetzen dar." (Hempel 1974, S.107)

    Und ein Zitat über die Aufgaben eines Theoretikers:

    "Er hat weit mehr zu tun, als beobachtete Regelmäßigkeiten zu verallgemeinern. Vielmehr muss er ein neues System von Begriffen konstruieren, die zu einem Teil überhaupt nicht und zu einem anderen Teil nur partiell auf Beobachtbares zurückführbar sind; er muss sich weiter ein System von Gesetzen ausdenken, welche diese neugeschaffenen Begriffe enthalten; und er muss schließlich eine Interpretation seines Systems geben, die eine bloß teilweise empirische Deutung zu liefern hat, die aber dennoch genügen muss, um das theoretische System für die Vorausagen beobachtbarer Vorgänge benutzen zu können. Die Begriffe, mit welchen er operiert, können ganz abstrakte theoretische Begriffe sein; dennoch ist er gegen die Gefahr des Abgleitens in die spekulative Metaphysik so lange gefeit, als er zeigen kann, dass alle diese Begriffe eine Voraussagerelevanz besitzen." (Stegmüller 1989, S. 466 f)

    Dieses Zitat steht schon am Anfang der ETVG; nach dem in ihm Gesagten soll sowohl der Wert der ETVG als auch der des Acht-Welten-Modells gemessen werden.

    Es wurde ein System von hoher Symmetrie vorgestellt, das ein Abbild der Wirklichkeit ("Alles was ist") sein soll. Die Wirklichkeit wird als "vertikal" in vier Evolutionsstufen und "horizontal" in vier Seinsweisen gegliedert gedacht ("Vier-Seinsweisen-vier-Stufen- Modell"), aus deren "Schnittstellen" sich acht voneinander eindeutig unterscheidbare "Welten" ergeben ("Acht-Welten-Modell"). Eine "Seinsweise" ist eine von vier miteinander zusammenhängenden Evolutionssystemen, die sich durch die Anzahl der (null bis maximal drei) Bestimmungsmerkmale der Voll-Materie (Zeit-Raum-Energie/ Masse) voneinander unterscheiden. Eine "Evolutionsstufe" ist eine von vier aufeinanderfolgenden Evolutionssystemen, die sich in der Kombination von je zwei von vier Seinsweisen (1,2,3,4) unterscheiden, derart, dass in den Evolutionsstufen die Seinsweisen in der Kombination 12, 23, 34, 41 einander folgen. Wenn die Wirklichkeit von Informationen durchflossen wird, die "am Ende" dort ankommen, von wo sie ausgegangen sind, nämlich in der Welt 1, dann ist diese Wirklichkeit "rund" (Abb. 3-3), und der Informationsfluss selbst stellt einen Kreisprozess dar. So verwundert es nicht mehr allzusehr, dass alle die Evolution "tragenden" Primär-Prozesse in der Wirklichkeit ebenfalls Kreisprozesse sind (Grundannahme Nr. 17 und Abb. 3-2).

     

    Abb. 3-3. Die "runde" Wirklichkeit

    Die Evolutionsstufen einerseits und die Seinsweisen andererseits sind einander hoch-symmetrisch. Wenn diese Symmetrien tatsächlich bestehen, dann ist es möglich, eine bisher noch nicht gelungene inhaltliche Interpretation der Struktur einer Ev.st oder einer Sw dadurch zu erreichen, daß man nach Fakten sucht, die in solchen Beziehungen stehen, die den aus anderen Evolutionsstufen und Seinsweisen bekannten Beziehungen homolog sind, oder indem man bestimmte, in einzelwissenschaftlicher Sprache formulierte, Beziehungen, die man zwischen Fakten vorfindet oder auch nur vermutet, in die Metasprache (d.h. interdisziplinäre Sprache) des Acht-Welten-Modells übersetzt, um auf diese Weise die inhaltliche Interpretation des zunächst formalen Modells voranzutreiben. So wie die Naturwissenschaftler die in den materialen Gesetzen ("Naturgesetzen") gefundene Symmetrien verwenden, um weitere materiale Gesetze zu entdecken, so können hier die in den "Wirklichkeitsgesetzen" gefundenen und im "Acht-Welten-Modell" beschriebenen Symmetrien verwendet werden, um weitere Wirklichkeitsgesetze zu entdecken - unter ihnen vielleicht sogar solche materialen Gesetze, die selbst den Naturwissenschaftlern noch unbekannt sind.

    Es wird angeregt, das hier skizzierte System "Wirklichkeit" in diesem Sinne weiter zu entwickeln. Ein "kritischer Realist" wird versuchen, ein "Abgleiten in die spekulative Metapysik" zu vermeiden, doch wird er sich nicht vor einer "induktiven Metaphysik" zu scheuen brauchen, d.h. vor einer Übertragung von in der Wirklichkeit gefundenen und testbaren Symmetrien in nicht mehr testbare Bereiche. Vielleicht wird er durch sie in die Lage versetzt, gewisse nicht-wissenschaftliche, nämlich religiöse und esoterische, Vorstellungen als möglicherweise visionär gewonnene Erkenntnisse über die Struktur der Wirklichkeit zu bewerten, sie jedenfalls nicht einfach als "Unsinn" zu verwerfen.

    Aus: Lothar Kleine-Horst (2004): Der Anfang des nach-naturwissenschaftlichen Zeitalters.
    Gedanken und Experimente jenseits der Lehrmeinungen. Köln: Enane (Teil 3, Kapitel II)

    Zum Teil 4: Beziehung zwischen Relativitätstheorie, Quantentheorie und
    Quadrialistischer Theorie der Wirklichkeit.

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